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Tagesimpuls

Begreift und versteht ihr immer noch nicht? (Mk 8,17)

06 Woche im Jahreskreis Dienstag

Aus dem heiligen Evangelium nach Markus
Mk 8, 14–21

In jener Zeit hatten die Jünger vergessen, Brote mitzunehmen; nur ein einziges hatten sie im Boot dabei.
Und Jesus warnte sie: Gebt Acht, hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer und dem Sauerteig des Herodes!
Sie aber machten sich Gedanken, weil sie keine Brote bei sich hatten.
Als er das merkte, sagte er zu ihnen: Was macht ihr euch darüber Gedanken, dass ihr keine Brote habt? Begreift und versteht ihr immer noch nicht? Ist denn euer Herz verstockt?
Habt ihr denn keine Augen, um zu sehen, und keine Ohren, um zu hören? Erinnert ihr euch nicht: Als ich die fünf Brote für die Fünftausend brach, wie viele Körbe voll Brotstücke habt ihr da aufgehoben? Sie antworteten ihm: Zwölf.
Und als ich die sieben Brote für die Viertausend brach, wie viele Körbe voll habt ihr da aufgehoben? Sie antworteten: Sieben.
Da sagte er zu ihnen: Versteht ihr immer noch nicht?

Tagesimpuls

Begreift und versteht ihr immer noch nicht? (Mk 8,17)

Was Jesus hier mehrfach ausspricht, ist mindestens eine eindringliche Ermahnung, wenn nicht sogar ein Vorwurf an die Jünger. Aber worum geht es? Was sollen die Jünger begreifen? Es kann sich doch nur um die vorausgegangene Brotvermehrung handeln, und darum, dass sie auf das übernatürliche Handeln Gottes vertrauen sollen, also auf Wunder, die Gott wirkt.

Begreift und versteht ihr immer noch nicht?

Aber in unserer Kirche hört man immer wieder etwas anderes, auch von vielen Priestern und angesehenen Lehrern in der Spiritualität: Man solle nicht wundersüchtig sein, man solle die Wunder nicht zu sehr in den Vordergrund stellen, man müsste bodenständig bleiben. Man spricht auch von einem gefährlichen Hang zum „Supranaturalismus“, also das man das Übernatürliche zu sehr betonen würde. Ich bin jetzt ehrlich etwas verunsichert. Was ist denn jetzt richtig?

Begreift und versteht ihr immer noch nicht?

Wenn jemand keine Lust hat, eine Arbeitsstelle zu suchen, weil er lieber lange ausschlafen will, und dann sagt er: „Ich vertraue auf die wunderbare Vorsehung Gottes. Er wird mir alles schenken, was ich brauche“, dann würde ich sagen, das ist ein falscher Supranaturalismus. Ich würde demjenigen sagen: „In seiner wunderbaren Vorsehung wird Gott dir helfen, eine Arbeit zu finden.“ In der Bibel findet man eine ähnliche Stelle, als der Teufel Jesus überreden will, sich von der Tempelzinne hinabzustürzen. Ich darf nicht etwas Dummes machen und dann auf die Vorsehung Gottes vertrauen. An dieser Stelle verstehe ich den Einwand gegen ein falsches Vertrauen auf das übernatürliche Handeln Gottes.

Begreift und versteht ihr immer noch nicht?

Aber soll das heißen, dass man in der Kirche dem Übernatürliche insgesamt nur einen sehr geringen Stellenwert einräumt? Wie viele Heilige haben Projekte im Vertrauen auf die Hilfe Gottes begonnen, und Gott war treu und hat ihnen geholfen! Wenn wir z.B. allzu schnell eine Kirche schließen, weil wir glauben, dass es unmöglich ist, sie weiter zu finanzieren, dann könnte man zumindest bedenken: Haben wir auch mit Gottes Hilfe gerechnet? Haben wir es zumindest versucht? Oder wenn wir in eine Notlage geraten, sollen wir dann nicht alle Hilfsmittel ausschöpfen? Alles, was wir menschlich tun können, aber auch das Gebet um göttliche Hilfe?

Begreift und versteht ihr immer noch nicht?

Wenn wir die göttliche Hilfe ausschließen, dann wird unsere Kirche schwunglos. Dann gibt es kaum mehr neue Evangelisation. Die Menschen haben eine große Sehnsucht nach dem Übernatürlichen, und das würden wir ihnen vorenthalten. Daher gehen die Menschen zu anderen Religionen, die man mit dem Begriff „New Age“ zusammenfasst. Diese Regionen versprechen zumindest eine Art von übernatürlicher Erfahrung, irgendetwas, was mehr ist als das alltägliche Leben, was jeder kennt. Dagegen hat Jesus uns so viel zu schenken, so viel mehr als diese Religionen es vermögen. Wir sollen begreifen, dass wir den Menschen eine übernatürliche Erfahrung schenken sollen, damit sie erkennen, dass Gott heute noch lebendig ist und in unserem Leben wirkt.

Gebet:

Jesus, wir wollen auf deine übernatürliche Hilfe vertrauen. Du gibts uns viel mehr als wir bisher kennen. Stärke unseren Gauben. Hilf uns, dass zu verstehen, was deine Jünger damals noch nicht verstanden hatten.

Pastor Roland Bohnen

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