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Tagesimpuls

Wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein. (Mk 10,43)

08 Woche im Jahreskreis Mittwoch

EVANGELIUM Mk 10, 32-45

In jener Zeit,

32als Jesus und seine Jünger auf dem Weg hinauf nach Jerusalem waren, ging Jesus voraus. Die Leute wunderten sich über ihn, die Jünger aber hatten Angst. Da versammelte er die Zwölf wieder um sich und kündigte ihnen an, was ihm bevorstand.

33Er sagte: Wir gehen jetzt nach Jerusalem hinauf; dort wird der Menschensohn den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten ausgeliefert; sie werden ihn zum Tod verurteilen und den Heiden übergeben;

34sie werden ihn verspotten, anspucken, geißeln und töten. Aber nach drei Tagen wird er auferstehen.

35Da traten Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, zu ihm und sagten: Meister, wir möchten, dass du uns eine Bitte erfüllst.

36Er antwortete: Was soll ich für euch tun?

37Sie sagten zu ihm: Lass in deinem Reich einen von uns rechts und den andern links neben dir sitzen.

38Jesus erwiderte: Ihr wisst nicht, um was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder die Taufe auf euch nehmen, mit der ich getauft werde?

39Sie antworteten: Wir können es. Da sagte Jesus zu ihnen: Ihr werdet den Kelch trinken, den ich trinke, und die Taufe empfangen, mit der ich getauft werde.

40Doch den Platz zu meiner Rechten und zu meiner Linken habe nicht ich zu vergeben; dort werden die sitzen, für die diese Plätze bestimmt sind.

41Als die zehn anderen Jünger das hörten, wurden sie sehr ärgerlich über Jakobus und Johannes.

42Da rief Jesus sie zu sich und sagte: Ihr wisst, dass die, die als Herrscher gelten, ihre Völker unterdrücken und die Mächtigen ihre Macht über die Menschen missbrauchen.

43Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein,

44und wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein.

45Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.

Tagesimpuls:

Wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein. (Mk 10,43)

Man hätte erwartet, dass Jesus die beiden mehr zurechtweist. Er hätte sagen können: „Ich rede vom Kreuz und bin davon betroffen, welches Leiden mit bevorsteht, und ihr denkt, ich werde ein König, und dann wollte ihr die besten Plätze haben! Habt ihr denn gar nichts begriffen? Ich werde gekreuzigt!“ Aber das sagt er nicht. Er weist die Jünger nicht zurecht, weil sie diese Bitte geäußert haben. Wenn er sie zurechtgewiesen hätte, wären die anderen Jünger nicht ärgerlich gewesen. Vielleicht wären sie etwas schadenfroh gewesen, weil Jakobus und Johannes mit ihrem dreisten Anliegen bei Jesus nicht durchgekommen wären. Aber so war es nicht. Weil Jesus die beiden sogar eher noch bestätigt hatte, waren die anderen ärgerlich.

Wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein.

Wir lernen daraus: Jesus hat nichts dagegen, wenn wir groß sein wollen, wenn wir vorankommen wollen. Er will uns nicht zurechtstutzen, damit wir möglichst immer klein und bescheiden bleiben. Es ist ein falsches Bild von einem Christen, der sozusagen das Gegenteil von erfolgreich sein müsste, in einer falschen Demut, vielleicht eine kleine graue Maus, auf die niemand hört, die kaum jemand beachtet. Wenn dieses Bild so stimmen würde, dann wären die weltlichen Menschen, die ohne Gott leben, die Großen, die Erfolgreichen, und die Christen würden sich in ihre Kirche zurückziehen und demütig und bescheiden auf das Ende der Welt warten, ohne etwas zu bewirken. Das ist nicht das Bild von Jesus. Das ist ein völlig falsches Verständnis von christlicher Demut und Bescheidenheit.

Wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein.

Wir sollen bitte schön groß sein als Christen! Wir sollen Heilige werden. Wir sollen Großes vollbringen, weil wir mit der Macht des allmächtigen Gottes zusammenwirken. Das darf man gern in der Welt sehen und wahrnehmen. Aber wir Christen werden groß im Dienen, groß in der Nächstenliebe, aber auch groß in dem, was wir für unsere Gesellschaft tun. Ein Beispiel aus der Geschichte: Als die Bundesregierung während des Neubeginns nach dem zweiten Weltkrieg die Grundlagen für unsere heutige Sozialgesetzgebung gelegt hat, da hat sie sich an der katholischen Soziallehre orientiert. Bis in die achtziger Jahre (ich habe es selbst gesehen) war es noch Brauch, dass Minister der Bundesregierung Professor von Nell Bräuning konsultierten, der ein Fachmann für die katholische Soziallehre war. Ob es heute noch so ist, weiß ich nicht. Aber damals hatten Christen Einfluss auf die Gesellschaft. Und so soll es auch heute sein. Wir Christen sollen groß denken und Großes bewirken, damit die Welt die Liebe Gottes kennenlernt.

Gebet:

Jesus, ich danke dir, dass du uns dazu aufgerufen hast, groß zu sein, Großes zu bewirken. Bitte bewahre uns vor einem falschen Verständnis der Demut. Hilf uns, in unsere Berufung hineinzufinden und den Platz in der Gesellschaft einzunehmen, den du für uns vorgesehen hast.

Pastor Roland Bohnen

www.tagesimpuls.org


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