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Tagesimpuls

Und kommt er erst in der zweiten oder dritten Nachtwache und findet sie wach – selig sind sie. (Lk 12,28)

29 Woche im Jahreskreis Dienstag

EVANGELIUM Lk 12, 35-38

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:

35Legt euren Gürtel nicht ab, und lasst eure Lampen brennen!

36Seid wie Menschen, die auf die Rückkehr ihres Herrn warten, der auf einer Hochzeit ist, und die ihm öffnen, sobald er kommt und anklopft.

37Selig die Knechte, die der Herr wach findet, wenn er kommt! Amen, ich sage euch: Er wird sich gürten, sie am Tisch Platz nehmen lassen und sie der Reihe nach bedienen.

38Und kommt er erst in der zweiten oder dritten Nachtwache und findet sie wach – selig sind sie.

Tagesimpuls:

Und kommt er erst in der zweiten oder dritten Nachtwache und findet sie wach – selig sind sie. (Lk 12,28)

Viele beginnen den Weg mit Jesus enthusiastisch, aber ob wir in der zweiten oder dritten Nachtwache immer noch so lebendig sind, das ist die Frage. Zweimal betont Jesus, dass wir in unserem Leben auch die Erfahrung der Abwesenheit Gottes machen. Erst sagt er, dass der Herr unterwegs ist, uns also allein gelassen hat. Dann liegt derselbe Sinn auch im Begriff Nachtwache. Die Nacht ist nichts Schönes, die Nacht steht für die Dunkelheit des Glaubens.

Und kommt er erst in der zweiten oder dritten Nachtwache und findet sie wach – selig sind sie.

So sehr es wahr ist, dass der lebendige Jesus uns begegnen will, so sehr es wahr ist, dass wir die Gegenwart des Auferstandenen im Heiligen Geist erfahren, so sehr ist es auch wahr, dass wir durch diese Zeiten der Sehnsucht nach ihm gehen müssen, durch die Dunkelheiten, wenn er „unterwegs“ ist. Wir denken auch an den Moment, wo Jesus die Jünger allein auf den See geschickt hatte, mit vollem Gegenwind, wo sie in Treue zu seinem Befehl stundenlang auf der Stelle ruderten und keinen Meter vorwärts kamen. Er dagegen betete auf dem Berg, von einer Stelle, wo er die Jünger im Boot auf dem See sehen konnte. Und in der dritten Nachtwache kam er dann zu ihnen, um sie zu erlösen. So macht es Jesus mit uns, und dass hat seinen Sinn.

Und kommt er erst in der zweiten oder dritten Nachtwache und findet sie wach – selig sind sie.

Die Zeiten der Sehnsucht, die Zeiten der Vorbereitung haben ihren Sinn. Daher feiern wir die Advents- und auch die Fastenzeit. Daher bereiten sich Katechumenen, Kommunionkinder und Firmlinge auf die Sakramentenspendung vor. Das Alte Testament hatte seinen Sinn. Sonst wäre Gott ungerecht gegenüber den Menschen, die da gelebt haben. Wir alle erleben Zeiten der Sehnsucht und Zeiten der Erfüllung. Die Zeiten der Sehnsucht müssen wir gut leben, genauso gut wie die Zeiten der Erfüllung.

Und kommt er erst in der zweiten oder dritten Nachtwache und findet sie wach – selig sind sie.

Man darf nicht ins andere Extrem fallen und behaupten, Gott wäre gar nicht da, er würde gar nicht helfen, wir müssten hier auf Erden nur mit seiner Abwesenheit rechnen. Beides ist wahr: Wir haben die Wartezeiten, aber wir haben auch Zeiten der Gebetserhörung. In den Wartezeiten beten wir, und wir hoffen, dass wir auch immer wieder die Auferstehung erleben dürfen – schon in diesem Leben.

Gebet:

Jesus, ich danke dir, dass du diesen Tag erschaffen hast! Du hast alles vorbereitet, nichts ist sinnlos. Auch die Zeiten des Wartens, der Sehnsucht, alles hat seinen Sinn. Bitte hilf mir, diesen Tag und diese Zeit gut zu leben. Schenke mir die Lebendigkeit, die ich in jungen Jahren hatte.

Pastor Roland Bohnen

www.tagesimpuls.org


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