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Tagesimpuls

Doch ihre Augen waren gehalten, sodass sie ihn nicht erkannten. (Lk 24,16)

Ostermontag

Evangelium Lk 24, 13–35

13Am ersten Tag der Woche
waren zwei von den Jüngern Jesu
auf dem Weg in ein Dorf namens Emmaus,
das sechzig Stadien von Jerusalem entfernt ist.
14Sie sprachen miteinander über all das, was sich ereignet hatte.
15Und es geschah:
Während sie redeten und ihre Gedanken austauschten,
kam Jesus selbst hinzu und ging mit ihnen.
16Doch ihre Augen waren gehalten,
sodass sie ihn nicht erkannten.
17Er fragte sie: Was sind das für Dinge,
über die ihr auf eurem Weg miteinander redet?
Da blieben sie traurig stehen
18und der eine von ihnen – er hieß Kléopas – antwortete ihm:
Bist du so fremd in Jerusalem,
dass du als Einziger nicht weißt,
was in diesen Tagen dort geschehen ist?
19Er fragte sie: Was denn?
Sie antworteten ihm: Das mit Jesus aus Nazaret.
Er war ein Prophet,
mächtig in Tat und Wort vor Gott und dem ganzen Volk.
20Doch unsere Hohepriester und Führer
haben ihn zum Tod verurteilen und ans Kreuz schlagen lassen.
21Wir aber hatten gehofft,
dass er der sei, der Israel erlösen werde.
Und dazu ist heute schon der dritte Tag,
seitdem das alles geschehen ist.
22Doch auch einige Frauen aus unserem Kreis
haben uns in große Aufregung versetzt.
Sie waren in der Frühe beim Grab,
23fanden aber seinen Leichnam nicht.
Als sie zurückkamen,
erzählten sie, es seien ihnen Engel erschienen
und hätten gesagt, er lebe.
24Einige von uns gingen dann zum Grab
und fanden alles so, wie die Frauen gesagt hatten;
ihn selbst aber sahen sie nicht.
25Da sagte er zu ihnen: Ihr Unverständigen,
deren Herz zu träge ist,
um alles zu glauben, was die Propheten gesagt haben.
26Musste nicht der Christus das erleiden
und so in seine Herrlichkeit gelangen?
27Und er legte ihnen dar,
ausgehend von Mose und allen Propheten,
was in der gesamten Schrift über ihn geschrieben steht.
28So erreichten sie das Dorf, zu dem sie unterwegs waren.
Jesus tat, als wolle er weitergehen,
29aber sie drängten ihn
und sagten: Bleibe bei uns;
denn es wird Abend,
der Tag hat sich schon geneigt!
Da ging er mit hinein, um bei ihnen zu bleiben.
30Und es geschah:
Als er mit ihnen bei Tisch war,
nahm er das Brot,
sprach den Lobpreis,
brach es und gab es ihnen.
31Da wurden ihre Augen aufgetan
und sie erkannten ihn;
und er entschwand ihren Blicken.
32Und sie sagten zueinander:
Brannte nicht unser Herz in uns,
als er unterwegs mit uns redete
und uns den Sinn der Schriften eröffnete?
33Noch in derselben Stunde brachen sie auf
und kehrten nach Jerusalem zurück
und sie fanden die Elf und die mit ihnen versammelt waren.
34Diese sagten:
Der Herr ist wirklich auferstanden
und ist dem Simon erschienen.
35Da erzählten auch sie,
was sie unterwegs erlebt
und wie sie ihn erkannt hatten,
als er das Brot brach.

Tagesimpuls:

Doch ihre Augen waren gehalten, sodass sie ihn nicht erkannten. (Lk 24,16)

An Ostern ist Christus auferstanden und den Jüngern erschienen. Im heutigen Evangelium geht es darum, dass wir als seine Jünger Christus auch erkennen. Viele Christen sind in dem Stadium der Emmausjünger ganz zu Beginn. Sie haben irgendwie von anderen gehört, er würde leben. Sie sind wie die meisten von uns in der christlichen Tradition aufgewachsen, und dort wird eben überliefert, dass Jesus auferstanden sei und dass einige ihn gesehen hätten. Das heißt aber nicht, dass sie so richtig fest daran glauben würden. Auch mancher scheinbar gestandener Christ hat mir schon seine Zweifel zum Ausdruck gebracht, ob es nach dem Tod wirklich noch etwas geben würde.

Doch ihre Augen waren gehalten, sodass sie ihn nicht erkannten.

Das heutige Evangelium zielt ganz klar darauf ab, dass wir weiterkommen im Glauben als dies Vorstufe, dass man es aus der Tradition vernommen hat. Bewusst wird nicht der Name des zweiten Jüngers genannt, weil wir Leser und Hörer uns an seine Stelle setzen sollen. Und wir sollen selbst diesen Weg mitgehen, bis auch wir selbst Jesus tiefer erkennen.

Doch ihre Augen waren gehalten, sodass sie ihn nicht erkannten.

Der erste Schritt auf diesem Weg ist das Klagen. Wir brauchen Menschen, denen wir alles erzählen können, unser Leid, unseren Schmerz, unsere Trauer. Beim Erzählen gibt es wohl eine Gefahr. Man muss den Punkt beachten, wo es kippt. Sich Luft machen und mal alles erzählen ist gut, aber sich hineinsteigern und immer wütender werden ist schädlich.

Doch ihre Augen waren gehalten, sodass sie ihn nicht erkannten.

Der nächste Schritt ist die Verkündigung vom Wort Gottes. Jesus spricht und die Jünger hören. Der Glaube kommt vom Hören. Wir brauchen also Menschen, die mit uns über das Wort Gottes sprechen, damit wir Christus tiefer erkennen können.

Doch ihre Augen waren gehalten, sodass sie ihn nicht erkannten.

Dann kommt es zu einem entscheidenden Wendpunkt bei den Jüngern. Sie fühlen sich zu Jesus hingezogen und möchten, dass er bei ihnen bleibt. Sie laden Jesus in ihr Leben ein. Das bedeutet, dass man der inneren Sehnsucht folgen muss. Viele trauen sich das nicht, weil sie Angst haben, was die anderen dann denken würden. Hier darf man sich nicht von den anderen abhalten lassen. Wenn ich spüre, dass ich von Jesus angezogen werde, dann darf ich mich nicht abhalten lassen. Es geht um mein Glück, um mein Leben. Damit haben die anderen nichts zu tun, und es ist egal, was sie von mir denken. Hier ist es wichtig, dass man eine eigenständige Entscheidung für Jesus trifft.

Doch ihre Augen waren gehalten, sodass sie ihn nicht erkannten.

Der Höhepunkt ist dann die Eucharistie, die Mahlgemeinschaft mit Jesus. Wenn man diesen vorbereitenden Weg gegangen ist, dann spürt man Jesu Liebe in der Feier der Messe, dann erkennt man ihn auf neue Weise. Man spürt deutlich, dass man über das Stadium des Traditionschristen hinausgewachsen ist.

Doch ihre Augen waren gehalten, sodass sie ihn nicht erkannten.

Es gibt noch eine letzte Stufe, die hier beschrieben ist: Die Verbundenheit mit der Kirche. Die beiden zögern nicht und gehen noch in derselben Nacht zurück nach Jerusalem zu den anderen Jüngern. Wer Jesus tief in seinem Herzen erkannt hat, der wünscht sich diese Verbundenheit mit der Kirche, der will seinen Glauben nicht mehr allein leben.

Gebet:

Jesus, ich danke dir für deine Liebe! Ich danke dir, dass du dich uns offenbaren willst. Bitte hilf uns allen, zu einer tieferen Erkenntnis deiner selbst zu kommen. Du willst nicht nur, dass wir durch die Tradition von dir gehört haben. Du willst, dass wir dich lebendig erleben, vor allem in der Eucharistie. Bitte schenke unseren Eucharistiefeiern große Lebendigkeit!

Pastor Roland Bohnen

www.tagesimpuls.org


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