Karfreitag
Johannes 19,25-30
Bei dem Kreuz Jesu standen seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Magdala.
Als Jesus die Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er liebte, sagte er zur Mutter: Frau, siehe, dein Sohn!
Dann sagte er zu dem Jünger: Siehe, deine Mutter! Und von jener Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.
Danach, da Jesus wusste, dass nun alles vollbracht war, sagte er, damit sich die Schrift erfüllte: Mich dürstet.
Ein Gefäß voll Essig stand da. Sie steckten einen Schwamm voll Essig auf einen Ysopzweig und hielten ihn an seinen Mund.
Als Jesus von dem Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht! Und er neigte das Haupt und übergab den Geist.
Tagesimpuls
Und er neigte das Haupt und übergab den Geist. (Joh 19,30)
Wenn Jesus seinen Geist aushaucht, kann man darin erkennen, was bei jedem Menschen geschieht, wenn er stirbt, dass die Seele den Körper verlässt und zu Gott geht. Aber dieses „übergab“ lässt darauf schließen, dass noch mehr gemeint ist. Übergeben ist etwas Aktives. Das Aktive könnte beim Sterbenden allerdings vielleicht auch sein. Wenn ich sterbe, lege ich (aktiv) meine Seele in die Hände Gottes. Aber trotzdem meine ich, dass hier noch mehr gemeint ist. Es ist ja auch die Rede vom Geist, den er übergibt.
Und er neigte das Haupt und übergab den Geist.
Wir müssen an den Heiligen Geist denken, den Jesus uns übergibt. Die Erfüllung mit dem Heiligen Geist ist eine Frucht des Kreuzesopfers. Weil durch Jesu Tod unsere Sünden weggenommen werden, können wir mit dem Heiligen Geist erfüllt werden, kann die Last der Erbsünde von uns genommen werden, kann die Tür zum Paradies wieder geöffnet werden, können wir hineingenommen werden in eine neue Nähe und Gemeinschaft mit Gott, die ohne den Tod Jesu nicht möglich wäre. All das bewirkt der Heilige Geist. Der Heilige Geist verbindet uns mit Gott. Der Bund wird neu geschlossen. Gott ist in uns, Christus ist in uns durch den Heiligen Geist.
Und er neigte das Haupt und übergab den Geist.
Aber all dies geschieht nicht ohne unser menschliches Mitwirken, ohne unser menschliches Ja. Wir wirken daran mit durch die Sakramente, beginnend mit der Taufe. Heute möchte ich aber einmal eine Weise unseres Mitwirkens betonen, die für den heutigen Tag besonders passend ist: Dass wir bei Jesus sind unter dem Kreuz. Wir müssen nichts machen außer bei ihm zu sein, bei ihm auszuhalten, wie es die Frauen vorbildlich gemacht haben. Deswegen fasten wir, weil wir uns ganzheitlich in diese Stimmung des Leidens hineinversetzen wollen. Es ist ein wenig vergleichbar mit der Trauer um einen nahen Angehörigen. Wir sind nicht in der Stimmung zum fröhlichen Feiern, wir machen auch kein Festessen. Trauern umfasst unser ganzes Sein.
Und er neigte das Haupt und übergab den Geist.
Vielleicht klagt jemand darüber, dass er sich nicht in diese Leidensstimmung hineinversetzen kann, dass er kein Mitleid mit dem Leiden Jesu empfindet. Der Heilige Ignatius von Loyola empfiehlt, dass man die Gnade erbittet, die man empfangen möchte, in diesem Fall also, das Leiden Jesu zu empfinden. Und wir dürfen so beten wie wir sind. Ich kann Jesus sagen: „Schau mein Herz aus Stein, ich kann gar nicht mit dir mitleiden. Ich schenke dir jetzt dieses Herz. Bitte gib mir ein Herz aus Fleisch, was deine Liebe empfindet.“ Wir dürfen „aus der Tiefe“ zu Gott schreien, wie es der Psalm es sagt. Wir stellen uns unter das Kreuz so wie wir sind. Versuchen wir einfach, bei ihm unter dem Kreuz zu verweilen, so wie die Frauen es gemacht haben. Wir werden dann auch mit seinem Heiligen Geist erfüllt.
Gebet:
Jesus, durch dein Kreuzesopfer hast du die Last der Sünden weggenommen, die uns von Gott trennt. Jetzt kann der Heilige Geist wieder fließen. Ich will mich unter dein Kreuz stellen und die Gnadenströme fließen lassen, die von deinem Kreuz ausgehen. Nimm mein Herz, so wie es jetzt gerade ist, und schenke mir die Gnade, deine Liebe zu spüren, aber auch an deinem Leid Anteil zu nehmen.
Pastor Roland Bohnen
Pfarrer-Kreins-Str. 2
52538 Selfkant Süsterseel
Telefon 02456 – 3627
Fax 02456 – 3019
pastor.bohnen@kirche-selfkant.de
www.kirche-selfkant.de
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2 Antworten auf „Und er neigte das Haupt und übergab den Geist. (Joh 19,30)“
von: Viktor-Maria Stein, Eggenfelden
Persönliche Gedanken und Fürbitten zu Karfreitag.
KARFREITAG, Zeit zur Klage
Jetzt ist Karfreitag. Zeit zur Klage. Gott sei dank. Die ganze Ohnmacht hinausschreien. Wie Jesus am Kreuz:
„Mein Gott, mein Gott, warum hast du Mich verlassen! Ich schreie, aber meine Hilfe ist fern!“
Jetzt ist Karfreitag, Zeit zur Trauer. Die Sehnsucht nach Leben eingesteht. Auch da, wo das Leben vertrocknet. Auch da, wo die Sehnsucht schmerzt. Wie Jesus am Kreuz:
„Mich dürstet!“
Jetzt ist Karfreitag. Zeit zur Stille. Die Leere aushalten. Ganz auf Gott angewiesen sein. Ganz von Seiner Güte leben. Auch da wo sie fehlt. Wie Jesus am Kreuz:
Ganz von Gottes Güte Leben.
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So wollen wir beten:
Du Gott des Lebens, Du weißt, wo Menschen leiden.
Du weißt, wo sie keine Kraft mehr haben.
Du gibst uns Zeit zur Klage.
Hilf uns, daß wir ganz auf dich vertrauen.
– Amen, Amen, Amen.
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FÜRBITTEN:
Beten wir für für eine befreundete Familie aus Engersdorf, mit der ich mich sehr verbunden fühle, um besonderen geistigen Beistand und Führung.
Und besonders auch für die kranke Mama, welche eigentlich in ärztliche Behandlung gehört bzw. ins Krankenhaus müsste, sie aber große Angst davor hat, und sie momentan auch keinen rechten Lebensmut und Lebenswillen hat.
So wie auch für ihre geistig beeinträchtigte Tochter, welche nicht immer einfach zu nehmen und umzugehen ist.
– – – Wir bitten Dich erhöhre uns.
Betet aber auch für mich, damit ich geistig und körperlich bei Kräften bleibe um auch weiter als Werkzeug unseres Herrn zu funktionieren, sodaß der Herr auch in dieser Familie stets durch mich wirken kann.
– – – Wir bitten Dich erhöhre uns.
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TREUER HERR UND HEILAND! Gib uns, wenn wir schwach sind, Deine Kraft. Schenke uns den langen Atem Deiner Liebe, wo wir ungeduldig sind. – Halleluja + Amen.
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HERR JESU, unter Deinem Kreuz erkenne ich …: Aber wie sollte ich den Frieden mit Gott selber gewinnen können? Ich danke Dir, daß Du auch mir Deinen Frieden gegeben hast.
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So wollen wir unser Kreuz demütig ertragen und annehmen und somit dem Herrn folgen, Er gibt uns die Kraft dazu.
Nun noch zum Abschluss ein Vaterwort über DIE DEMUT.
Die Demut kann und darf ich niemandem geben, sondern nur lehren und begehren. Das ist der Acker, da Ich nicht säe den eigentlichen Samen, und doch ernten will! Die Demut ist das einzige, das ihr mir geben könnt, ohne es eigentlich vorher von Mir empfangen zu haben.
J. Lorber, Haush. Gottes, Bd.2, Kap.11
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In diesem Sinne, Gelobt sei Jesus-Christus, in Ewigkeit – Amen.
Lieber Pfarrer Bohnen , herzlichen Dank für Ihren berührenden und einfach so stärkenden und guten Kommentar . Er führt direkt zum Herzen Jesu am Kreuz .
Herzliches Vergelts Gott und reiche Gnaden zum Osterfest .
Im Gebet verbunden . E-M F.