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Tagesimpuls

Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, dann kannst du zusehen, den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen! (Mt 7,5)

12 Woche im Jahreskreis Montag

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus
Mt 7, 1–5

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet!
Denn wie ihr richtet, so werdet ihr gerichtet werden und nach dem Maß, mit dem ihr messt, werdet ihr gemessen werden.
Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem Auge bemerkst du nicht?
Oder wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Lass mich den Splitter aus deinem Auge herausziehen! – und siehe, in deinem Auge steckt ein Balken!
Du Heuchler! Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, dann kannst du zusehen, den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen!

Tagesimpuls

Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, dann kannst du zusehen, den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen! (Mt 7,5)

Wir sind für einander verantwortlich, d.h. es ist gut, dass wir einander helfen, unsere Fehler zu sehen und sie zu verbessern. Das setzt aber voraus, dass ich zu allererst selbstkritisch bin. Wenn ich meine, ich hätte keine Fehler, nur die anderen, dann kann ich niemandem helfen, dann bin ich eine sehr unangenehme Person im Umgang mit anderen.

Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, dann kannst du zusehen, den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen!

Ich habe vor kurzem immer wieder den Begriff Fehlerfreundlichkeit gehört. Wir sollen akzeptieren, dass wir alle Fehler machen. Und wir sollen die Tatsache, dass wir Fehler machen, nicht so tragisch nehmen. Ein Fehler bekommt dann eine übertrieben große Bedeutung, wenn in einer Gemeinschaft ein heuchlerisches Klima existiert, so als würde niemand einen Fehler machen. Wenn eine Gemeinschaft dagegen ehrlich ist, dann wissen alle, dass jeder Fehler macht. Dann kann man die Fehler nutzen, um daraus zu lernen.

Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, dann kannst du zusehen, den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen!

Voraussetzung ist allerdings, dass alle Beteiligten einigermaßen stabile Persönlichkeiten sind. Wenn jemand super empfindlich ist und sich zutiefst getroffen fühlt, wenn man mit ihm über einen Fehler sprechen will, dann muss man Rücksicht nehmen. Der Empfindliche braucht viel Wohlwollen und Vertrauen. Er muss spüren, dass man ihm nichts Böses will, und dass er trotzdem eine wertvolle Person ist, auch wenn er einen Fehler gemacht hat. In einer Gemeinschaft oder einem Betrieb, in der alle ehrlich sind und zugeben, dass sie Fehler machen, kann auch der Empfindliche sich weiterentwickeln und seine Schwäche überwinden.

Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, dann kannst du zusehen, den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen!

Mir wurde ein schönes Beispiel zur Fehlerfreundlichkeit erzählt. Es wurde mir erzählt von einem Chefingenieur aus seiner Firma. Dort hatte ein führender Mitarbeiter, der noch relativ neu war, durch eine Fehlentscheidung einen Schaden von mehreren Hunderttausend DM für die Firma verursacht. Nun musste er mit dem Chef sprechen. Er ging zum Chef in der Vermutung, dass er nun entlassen würde, und dies sprach er auch aus. Aber der Chef entgegnete ihm: „Wo kämen wir denn da hin? Wir können Sie noch jetzt nicht entlassen, gerade nachdem wir so viel Geld in Sie investiert haben?“ Hier wurde der Fehler als eine Investition in die Zukunft angesehen, nicht als vernichtendes Urteil über die Person. So etwas ist möglich in einem ehrlichen Klima, wo alle bereit sind, ihre Fehler zuzugeben und für ihre Fehler einzustehen.

Gebet:

Jesus, hilf uns, in unseren Gemeinschaften ein gutes Klima zu bekommen: In unseren Familien, in der Kirche und an allen Orten, wo Menschen zusammen sind oder zusammen arbeiten. Hilf uns ganz besonders, mit den empfindlichen Personen umzugehen, mit denen, die keine Kritik vertragen oder ihre Fehler nicht zugeben können. Schenke uns durch deinen Heiligen Geist auch für diese Menschen die richtigen Worte und Taten.

Pastor Roland Bohnen

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