15 Woche im Jahreskreis Montag
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus
Mt 10, 34 – 11, 1
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Aposteln:
Denkt nicht, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen! Ich bin nicht gekommen, um Frieden zu bringen, sondern das Schwert.
Denn ich bin gekommen, um den Sohn mit seinem Vater zu entzweien und die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter;
und die Hausgenossen eines Menschen werden seine Feinde sein.
Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert, und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert.
Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht wert.
Wer das Leben findet, wird es verlieren; wer aber das Leben um meinetwillen verliert, wird es finden.
Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf, und wer mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat.
Wer einen Propheten aufnimmt, weil es ein Prophet ist, wird den Lohn eines Propheten erhalten. Wer einen Gerechten aufnimmt, weil es ein Gerechter ist, wird den Lohn eines Gerechten erhalten.
Und wer einem von diesen Kleinen auch nur einen Becher frisches Wasser zu trinken gibt, weil es ein Jünger ist – amen, ich sage euch: Er wird gewiss nicht um seinen Lohn kommen.
Als Jesus die Unterweisung der zwölf Jünger beendet hatte, zog er weiter, um in den Städten zu lehren und zu predigen.
Tagesimpuls
Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht wert. (Mt 10,38)
Wir Christen sind vertraut mit dieser Aufforderung Jesu. Wir sollen unser Kreuz auf uns nehmen. Meistens denken wir dabei an Leiden wie Krankheiten oder Verluste. Wir denken auch an die Mühlsal der Arbeit oder andere Dinge, die uns schwer fallen. Aber hier in unserem Kontext bezieht Jesus es auf eine andere Art von Leiden: Menschen lehnen uns ab wegen unseres Glaubens an ihn, und das sogar in unserer Familie, in unserem engsten Kreis. Wenn uns jemand aus der Familie bedrängt wegen unseres Glaubens, dann sollen wir nicht nachgeben, sondern Jesus mehr lieben als ihn. Das ist unser Kreuz.
Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht wert.
Der Glaube ist unser höchstes Gut. Ein Atheist würde vielleicht sagen: Die Gewissensfreiheit ist unser höchstes Gut. Beides läuft auf dasselbe hinaus. Niemand hat das Recht, uns wegen unseres Glaubens unter Druck zu setzen oder gar zu zwingen, unseren Glauben nicht zu praktizieren. Wenn das nicht mehr gilt, dann wird unsere menschliche Gemeinschaft sowieso auseinander brechen. Eine Familie, in der so eine Unterdrückung herrschen würde, wäre schon bald keine Familie mehr.
Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht wert.
Aber muss man denn nicht doch Rücksicht nehmen auf die Familie? Ja! Ich glaube, dass alles in Liebe geschehen muss. Wenn ich meinen Glauben praktiziere ohne die Liebe, dann kann das nicht richtig sein. Wenn z.B. jemand dringend Hilfe braucht und ich in die Kirche gehe, dann wäre das lieblos. Aber wir müssen gut schauen, was wirklich die Bedürfnisse der anderen sind und was nicht. Was kann der andere zu Recht von mir erwarten, und wo sind seine Erwartungen nicht berechtigt?
Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht wert.
Wenn ich meinen persönlichen Eindruck sagen darf: Ich glaube, dass wir generell zu viel Rücksicht nehmen. Wir verzichten auf Tischgebete, verzichten auf die Mitfeier der Heiligen Messe, wir verzichten auf unser persönliches Gebet, ja wir treffen Entscheidungen, die gegen unseren Glauben sind, alles immer aus Rücksichtnahme. Dagegen wäre ein klareres Zeugnis auch für die anderen wichtig. Wenn z.B. die Kinder immer erleben, dass wir unseren Glauben zurückstellen, dann lernen sie (unbewusst): Das kann nicht so wichtig sein. Denn bei sehr wichtigen Dingen erleben sie, dass ihre Eltern stark bleiben und keine Kompromisse machen. Der Glaube dagegen zählt aus ihrer Sicht zu den unwichtigen Dingen, weil die Eltern da immer wieder Kompromisse machen.
Gebet:
Jesus, du hast vorausgesagt, dass viele dich ablehnen werden, auch in unseren Familien. Manchmal ist es keine ausdrückliche Ablehnung, aber wenn wir unsere Nachfolge ernst nehmen, dann halten sie das für übertrieben oder fanatisch. Hilf uns zu erkennen, wo wir wirklich mehr Rücksicht nehmen sollten. Hilf uns aber auch dort stark zu bleiben, wo wir falsche Kompromisse eingehen und dadurch ein schlechtes Zeugnis für dich geben.
Pastor Roland Bohnen
Pfarrer-Kreins-Str. 2
52538 Selfkant Süsterseel
Telefon 02456 – 3627
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