Kategorien
Tagesimpuls

Bei euch soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein. (Mt 20, 26)

Heiliger Jakobus der Ältere

EVANGELIUM VOM TAG

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus
Mt 20, 20–28

In jener Zeit kam die Frau des Zebedäus mit ihren Söhnen zu Jesus, fiel vor ihm nieder und bat ihn um etwas.
Er fragte sie: Was willst du? Sie antwortete: Versprich, dass meine beiden Söhne in deinem Reich rechts und links neben dir sitzen dürfen!
Jesus erwiderte: Ihr wisst nicht, was ihr erbittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinken werde? Sie sagten zu ihm: Wir können es.
Da antwortete er ihnen: Meinen Kelch werdet ihr trinken; doch den Platz zu meiner Rechten und zu meiner Linken habe nicht ich zu vergeben; dort werden die sitzen, für die es mein Vater bestimmt hat.
Als die zehn anderen Jünger das hörten, wurden sie sehr ärgerlich über die beiden Brüder.
Da rief Jesus sie zu sich und sagte: Ihr wisst, dass die Herrscher ihre Völker unterdrücken und die Großen ihre Vollmacht gegen sie gebrauchen.
Bei euch soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein,
und wer bei euch der Erste sein will, soll euer Sklave sein.
Wie der Menschensohn nicht gekommen ist, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.

Tagesimpuls

Bei euch soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein. (Mt 20,26)

Ich war bisher immer davon ausgegangen, dass Jesus vom Machtmissbrauch der Herrscher der Völker (der Heidenvölker) gesprochen hätte. Ich habe es aber einmal im Originaltext nachgeschaut. Da steht nur, dass sie ihre Macht gebrauchen, nichts von Unterdrückung oder Missbrauch. Das heißt, dass im Ideal, das Jesus verkündet, Macht nicht so gebraucht wird, wie wir es kennen. Natürlich gibt es Macht auch bei Jesus. Aber nach seiner Weisung ist sie ein Dienst an allen.

Bei euch soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein.

In unserem Sprachgebrauch ist dieses Ideal erhalten geblieben. Wir sprechen z.B. von Ministern, also von Dienern der Allgemeinheit. Oder ein Premierminister ist wörtlich der erste Diener aller. Wir Christen müssen uns immer an diesem Ideal ausrichten. Es gibt eine große Gefahr, dass Macht korrupt wird und missbraucht wird.

Bei euch soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein.

Manche meinen, dass Regieren oder Leiten geschehen würde durch Anweisungen, durch Dekrete. Der Leiter müsste sagen, was die anderen machen sollen. Als Pastor bin ich auch ein Leiter, aber ich habe gelernt, dass Leiten selten durch Anweisung oder gar Machtworte geschieht. Echtes Leiten geht zu 90% durch die Persönlichkeit, durch Überzeugung, durch Motivieren. Und das macht Freude. Es ist eine große Freude, wenn viele Menschen hinter einem Ziel versammelt sind, und wenn sie das freiwillig tun, nicht weil es ihr Job ist. Auf diese Weise schaffen wir eine familiäre Atmosphäre, wo jeder gerne mitarbeitet, ehrenamtliche, nebenberufliche und hauptberufliche Mitarbeiter. Der Dienst der Leitung besteht darin, miteinander eine Vision zu erkennen, mit der sich alle identifizieren können und wo jeder mit seinen Talenten seinen Platz findet.

Bei euch soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein.

Natürlich ist das nicht irgendeine Vision, sondern das Ziel ist das Reich Gottes, gemeinsam den Weg Jesu zu gehen, gemeinsam seine Kirche zu sein, gemeinsam Jesus in die Welt zu tragen, dass viele Menschen ihn erleben können, besonders auch die, die ihn noch nicht kennen. Das Ziel ist es auch, in der Gemeinde, in der Pfarrei ein Zuhause zu schaffen, einen Ort des Willkommens, nicht nur für die, die schon lange dabei sind, sondern auch so, dass Neue sich gleich angenommen und wohlfühlen können.

Bei euch soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein.

Das alles wird nicht dadurch erreicht, dass ein Vorgesetzter Befehle und Weisungen an Untergebene erteilt, sondern dass wir miteinander eine Gemeinschaft bilden, in der der Leiter die Aufgabe hat, dafür zu sorgen, dass es diese Vision gibt und dass alle ihren Platz finden in der Gemeinschaft. Natürlich muss er auch manchmal andere korrigieren, um ihnen zu helfen, zu wachsen, oder er muss manchmal jemanden bremsen, damit auch die anderen ihren Raum bekommen. All das dient der Gemeinschaft. Der Leiter sorgt nicht für sich selbst, sondern für alle in der Gemeinschaft. Für mich ist dieses Ideal realistisch, und ich glaube, dass gut geführte und erfolgreiche Unternehmen ebenfalls auf diesem Weg sind.

Gebet:

Jesus, du zeigst uns, was es heißt, der Erste zu sein. Du bist Diener aller geworden. Du hast für uns dein Leben hingegeben. Hilf uns, dass auch wir Diener sind für die anderen, jeder an der Stelle, wo du ihn hingestellt hast.

Pastor Roland Bohnen

www.tagesimpuls.org

Pfarrer-Kreins-Str. 2
52538 Selfkant Süsterseel
Telefon 02456 – 3627
Fax 02456 – 3019
pastor.bohnen@kirche-selfkant.de
www.kirche-selfkant.de


Entdecke mehr von Tagesimpuls

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.