Kategorien
Tagesimpuls

Nicht sieben Mal, sondern siebenundsiebzig Mal. (Mt 18,22)

19 Woche im Jahreskreis Donnerstag

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus
Mt 18, 21 – 19, 1

In jener Zeit trat Petrus zu Jesus und fragte: Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er sich gegen mich versündigt? Sieben Mal? Jesus sagte zu ihm: Nicht sieben Mal, sondern siebenundsiebzig Mal.
Mit dem Himmelreich ist es deshalb wie mit einem König, der beschloss, von seinen Dienern Rechenschaft zu verlangen.
Als er nun mit der Abrechnung begann, brachte man einen zu ihm, der ihm zehntausend Talente schuldig war.
Weil er aber das Geld nicht zurückzahlen konnte, befahl der Herr, ihn mit Frau und Kindern und allem, was er besaß, zu verkaufen und so die Schuld zu begleichen.
Da fiel der Diener vor ihm auf die Knie und bat: Hab Geduld mit mir! Ich werde dir alles zurückzahlen.
Der Herr hatte Mitleid mit dem Diener, ließ ihn gehen und schenkte ihm die Schuld.
Als nun der Diener hinausging, traf er einen anderen Diener seines Herrn, der ihm hundert Denare schuldig war. Er packte ihn, würgte ihn und rief: Bezahl, was du mir schuldig bist!
Da fiel der andere vor ihm nieder und flehte: Hab Geduld mit mir! Ich werde es dir zurückzahlen.
Er aber wollte nicht, sondern ging weg und ließ ihn ins Gefängnis werfen, bis er die Schuld bezahlt habe.
Als die übrigen Diener das sahen, waren sie sehr betrübt; sie gingen zu ihrem Herrn und berichteten ihm alles, was geschehen war.
Da ließ ihn sein Herr rufen und sagte zu ihm: Du elender Diener! Deine ganze Schuld habe ich dir erlassen, weil du mich so angefleht hast.
Hättest nicht auch du mit jenem, der gemeinsam mit dir in meinem Dienst steht, Erbarmen haben müssen, so wie ich mit dir Erbarmen hatte?
Und in seinem Zorn übergab ihn der Herr den Folterknechten, bis er die ganze Schuld bezahlt habe.
Ebenso wird mein himmlischer Vater jeden von euch behandeln, der seinem Bruder nicht von ganzem Herzen vergibt.
Als Jesus diese Reden beendet hatte, verließ er Galiläa und zog in das Gebiet von Judäa jenseits des Jordan.

Tagesimpuls

Nicht sieben Mal, sondern siebenundsiebzig Mal. (Mt 18,22)

Man kann das auf alle menschlichen Beziehungen übertragen, besonders auch auf die Ehe. Bei vielen Beziehungen kann man sich aus dem Weg gehen, wenn man sich nicht gut versteht. Aber in der Familie ist das nicht möglich. Jesus ist realistisch. Man verletzt einander nicht nur siebenmal. Wir können das traurig finden, aber es scheint die Realität zu sein. Immer wieder höre ich, dass Paare eine schwierige Ehe haben. Nicht umsonst sagt Jesus:

Nicht sieben Mal, sondern siebenundsiebzig Mal.

Wir könnten aber auch ein anderes Jesuswort hinzufügen: „Für Menschen ist das unmöglich, aber bei Gott ist nichts unmöglich.“ Verzeihen bedeutet ja auch: innere Heilung zu empfangen, von Jesus immer wieder geheilt werden. Als ich einmal die Apostelgeschichte las, wunderte ich mich, wie oft Paulus gesteinigt oder misshandelt wurde und fragte mich, wie er das aushalten konnte. Das geht nur durch Vergebung und innere Heilung, und das ist eine übernatürliche Hilfe von Jesus. Ich glaube, so ist es auch in den Ehen. Deswegen sind sie sakramental, das heißt, dass die Partner ein inniges Verhältnis zu Jesus leben. Mit Jesus ist dieses ständige Verzeihen und die damit verbundene innere Heilung möglich. Ohne Jesus ist alles eine hoffnungslose Überforderung. Dann kann man nur noch aufgeben.

Jesus sagte zu ihm: Nicht sieben Mal, sondern siebenundsiebzig Mal.

Es gibt Grenzen, wo man sich trennen muss. Es gibt auch die Annullierung, wenn die Ehe von Anbeginn schon falsch war. Selbst dann ist die Vergebung nötige Voraussetzung für die innere Heilung. Aber ich spreche von den vielen Situationen, die noch innerhalb dieser Grenzen liegen, vom normalen Leben, indem Menschen sich verletzen, weil wir alle nicht heilig sind. Durch das aneinander Reiben, durch die Vergebung und durch die damit verbundene innere Heilung gehen wir auf einem Weg, der zur Heiligkeit führt. Und da, sagt Jesus, gibt es keine Abkürzung. Wenn wir es uns leicht machen und weggehen, dann haben wir eine Chance, die Gott uns gibt, nicht genutzt. Es ist normal, dass wir Menschen uns verletzen, und die christliche Antwort darauf ist das siebenundsiebzigfache Verzeihen. Dass dies auch das Bemühen um Konfliktlösungen mit einschließt, möchte ich ausdrücklich betonen, weil ich es bisher nicht erwähnt hatte. Verzeihen muss nicht heißen, dass man alles über sich ergehen lässt. Man muss in jeder Situation prüfen: Soll ich reden oder soll ich schweigen? Ich möchte aber aus meiner Erfahrung auch sagen, dass manchmal auch Schweigen besser ist.

Gebet:

Jesus, ich bete heute besonders für alle Ehepaare, ganz besonders für alle, die sehr untereinander leiden. Hilf uns allen, auf dem christlichen Weg der Vergebung und der inneren Heilung zu gehen. Hilf uns, den Nutzen des Bußsakraments in diesem Zusammenhang zu erkennen. Bewahre Ehen, die gerettet werden könnten, vor der Trennung.

Pastor Roland Bohnen

www.tagesimpuls.org

Pfarrer-Kreins-Str. 2
52538 Selfkant Süsterseel
Telefon 02456 – 3627
Fax 02456 – 3019
pastor.bohnen@kirche-selfkant.de
www.kirche-selfkant.de


Entdecke mehr von Tagesimpuls

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.