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Tagesimpuls

Als der Herr die Frau sah, hatte er Mitleid mit ihr. (Lk 7,13)

24 Woche im Jahreskreis Dienstag

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas
Lk 7, 11-17

In jener Zeit ging Jesus in eine Stadt namens Naïn; seine Jünger und eine große Menschenmenge folgten ihm.
Als er in die Nähe des Stadttors kam, trug man gerade einen Toten heraus. Es war der einzige Sohn seiner Mutter, einer Witwe. Und viele Leute aus der Stadt begleiteten sie.
Als der Herr die Frau sah, hatte er Mitleid mit ihr und sagte zu ihr: Weine nicht!
Dann ging er zu der Bahre hin und fasste sie an. Die Träger blieben stehen, und er sagte: Ich befehle dir, junger Mann: Steh auf!
Da richtete sich der Tote auf und begann zu sprechen, und Jesus gab ihn seiner Mutter zurück.
Alle wurden von Furcht ergriffen; sie priesen Gott und sagten: Ein großer Prophet ist unter uns aufgetreten: Gott hat sich seines Volkes angenommen.
Und die Kunde davon verbreitete sich überall in Judäa und im ganzen Gebiet ringsum.

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Als der Herr die Frau sah, hatte er Mitleid mit ihr. (Lk 7,13)

Es gibt unendliches Leid in der Welt. Aber genau bei dieser Begegnung hat Jesus Mitleid. Es ist göttliches Mitleid, das sich in seinem Herzen regt. Und dieses Mitleid treibt ihn zum handeln. Und dann gibt es keine Hindernisse. Selbst der Tod ist kein Hindernis. Wenn Jesus will, können sogar Tote zum Leben auferstehen.

Als der Herr die Frau sah, hatte er Mitleid mit ihr.

In uns Menschen sträubt sich etwas. Wieso handelt Gott punktuell an einzelnen? Wieso rettet er nicht die ganze Welt gleichzeitig? Es gibt doch so viel Leid! Der Kommunismus wollte die ganze Welt retten, indem er Strukturen verändert hat. Aber das Leid ist dadurch schlimmer geworden. Im christlichen Abendland sind soziale Gesetze entstanden, wie etwa die Rentenversicherung oder die Krankenversicherung. Das hat die Situation vieler Menschen verbessert. Das zeigt, es kann ein gesellschaftlicher Fortschritt entstehen, wenn es genug Menschen gibt, die christlich gesinnt sind und christlich handeln. Aber Jesus hatte keine politischen Strukturen verändert. Er setzt an beim Herzen jedes einzelnen. Und in einer langen Wirkungskette hat dies dann auch zu gesamtgesellschaftlichen Prozessen geführt.

Als der Herr die Frau sah, hatte er Mitleid mit ihr.

Wenn wir als Christen handeln, werden auch wir vom Mitleid angetrieben. Wir können einzelnen helfen, wir können uns aber auch politisch engagieren um Grundlagen zu schaffen, die vielen helfen. Ich möchte auf eine Versuchung aufmerksam machen, vor der wir uns hüten müssen: Wenn wir in einer Situation Hilfe leisten können, dies aber nicht für alle tun können, dann dürfen wir nicht die eine Hilfe auch noch verweigern. Manche sagen das: „Wo kämen wir denn da hin, wenn ich jedem helfen würde? Das kann ich nicht.“ Die Antwort müsste lauten: „Richtig, du kannst nicht jedem helfen. Aber diesem einen kannst du helfen, und das sollst du tun.“ Jesus konnte auch nicht allen gleichzeitig helfen. Aber in diesem einen Fall spürte er innerlich dieses göttliche Mitleid, und dann hat er gehandelt. Man darf also nicht das Gute verweigern, nur weil man nicht die ganze Welt retten kann. Und dieses eine Gute, das ich jetzt tun kann, ist sicher ein kleiner Baustein in der großen Entwicklung, die sich positiv auf das Gesamt der Gesellschaft auswirken wird.

Gebet:

Jesus, ich bin beeindruckt, wie du dich vom göttlichen Mitleid leiten lässt. Bitte lass mich hellhörig sein für diese innere Führung. Hilf mir, zu handeln wie du: in kleinen Einzelfällen; und dabei die Hoffnung zu behalten, das sich dies auf das Ganze der Gesellschaft auswirken wird.

Pastor Roland Bohnen

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