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Tagesimpuls

Niemand darf es erfahren. (Mt 9,30)

01 Woche im Advent Freitag

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus
Mt 9, 27–31

In jener Zeit, als Jesus weiterging, folgten ihm zwei Blinde und schrien: Hab Erbarmen mit uns, Sohn Davids!
Nachdem er ins Haus gegangen war, kamen die Blinden zu ihm. Und Jesus sagte zu ihnen: Glaubt ihr, dass ich dies tun kann? Sie antworteten: Ja, Herr.
Darauf berührte er ihre Augen und sagte: Wie ihr geglaubt habt, so soll euch geschehen.
Da wurden ihre Augen geöffnet. Jesus aber wies sie streng an: Nehmt euch in Acht! Niemand darf es erfahren.
Doch sie gingen weg und erzählten von ihm in der ganzen Gegend.

Tagesimpuls

Niemand darf es erfahren. (Mt 9,30)

Manchmal ist es besser, wenn man eine Gnade noch für sich behält, insbesondere, wo die beiden zu zweit sind und miteinander über das Erlebte sprechen können. Sie wären ja mit dem Erlebten nicht ganz allein, sondern hätten einen Gesprächspartner. Das erinnert mich an Maria, die nach der besonderen Gnade zu Elisabeth geht, so dass die beiden sich über ihre empfangenen Gnaden austauschen konnten.

Niemand darf es erfahren.

Warum gibt es Situationen, wo die Gnade ein Geheimnis bleiben soll? Chiara Lubich hat es einmal mit einem Speicher verglichen, der nicht zu früh geöffnet werden darf. Wenn er zu früh geöffnet wird, dann läuft er leer, bevor er überhaupt voll gelaufen ist. Die Gnade kann in uns gefördert werden, wenn sie zunächst einmal ein Geheimnis zwischen mir und Jesus bleibt. Das gilt nicht für den Beichtvater oder den geistlichen Begleiter, dem man alles mitteilen sollte.*

Niemand darf es erfahren.

Dass man nicht zu früh alles erzählen soll, haben viele von uns vermutlich auch schon erfahren. Das kann auch zum Schutz der Person sein. Wie oft ist es geschehen, dass Menschen von erfahrenen Gnaden erzählt haben und dabei auf großes Unverständnis gestoßen sind. Jesus sagt in der Bergpredigt, dass wir nicht die Perlen vor die Säue werfen sollen. Das ist zwar ein hartes Wort, aber was er sagen will, ist, dass es eben manchmal gar nicht gut ist, von etwas zu erzählen, was so intim und kostbar ist, damit man es sich nicht von anderen kaputtmachen lässt.

Niemand darf es erfahren.

Auf der anderen Seite darf das Gesagte nicht dazu führen, dass wir nicht mehr Zeugnis geben. Wir sollen Zeugnis geben, aber im richtigen Moment, nicht zu früh, und bei Menschen, deren Herz bereit ist. Wir sollen auch Zeugnis geben, wo Menschen es nicht hören wollen. Aber dabei müssen wir uns nicht in einer für uns schädlichen Weise verletzbar machen.

Gebet:

Jesus, du weißt uns darauf hin, dass wir manchmal Gnaden im Herzen bewahren sollen. Maria bewahrte alles in ihrem Herzen. Aber auch sie hatte einen Menschen, mit dem sie reden konnte. Zeige uns, wo wir Zeugnis geben sollen! Zeige uns, wo wir reden und wo wir schweigen sollen.

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* Dazu gibt es auch einen passenden Hinweis von Paulus in Gal 6,6: „Wer aber im Wort unterrichtet wird, lasse den, der ihn unterrichtet, an allen Gütern teilhaben.“

Pastor Roland Bohnen

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