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Tagesimpuls

Er verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen. (Mt 4,13)

07 Januar

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus
Mt 4, 12–17.23–25

In jener Zeit, als Jesus hörte, dass Johannes der Täufer ausgeliefert worden war, kehrte er nach Galiläa zurück.
Er verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, das am See liegt, im Gebiet von Sebulon und Naftali.
Denn es sollte sich erfüllen, was durch den Propheten Jesaja gesagt worden ist: Das Land Sebulon und das Land Naftali, die Straße am Meer, das Gebiet jenseits des Jordan, das heidnische Galiläa: Das Volk, das im Dunkel saß, hat ein helles Licht gesehen; denen, die im Schattenreich des Todes wohnten, ist ein Licht erschienen.
Von da an begann Jesus zu verkünden: Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe.
Er zog in ganz Galiläa umher, lehrte in den Synagogen, verkündete das Evangelium vom Reich und heilte im Volk alle Krankheiten und Leiden.
Und sein Ruf verbreitete sich in ganz Syrien. Man brachte alle Kranken mit den verschiedensten Gebrechen und Leiden zu ihm, Besessene, Mondsüchtige und Gelähmte, und er heilte sie.
Scharen von Menschen aus Galiläa, der Dekapolis, aus Jerusalem und Judäa und aus dem Gebiet jenseits des Jordan folgten ihm nach.

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Er verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen. (Mt 4,13)

Früher verließen die meisten Menschen ihr Elternhaus, wenn sie heirateten. Heute verlassen viele ihr Elternhaus schon, wenn sie studieren gehen oder aus beruflichen Gründen. Früher gab es das auch schon, dass Gesellen nach der Lehre auf Wanderschaft gingen, um „Erfahrungen“ zu sammeln. Jesus bleibt auch nicht zuhause. Er hat nicht geheiratet. Bei ihm sind es in gewisser Hinsicht auch „berufliche“ Gründe, es hat mit seiner Berufung zu tun, mit seinem Auftrag.

Er verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen.

Ich frage mich, warum das wichtig ist. Könnte er für seine Mission nicht auch Nazareth als Basisstation ausgewählt haben? Warum Kafarnaum im Haus des Simon Petrus? Es mag viele Antworten darauf geben. Eine Antwort ist wahrscheinlich die, dass auch in einer heiligen Familie bestimmte menschliche Prozesse genauso sinnvoll sind wie in allen anderen Familien auch. Es ist gut, wenn man sich in einem bestimmten Alter etwas von seiner Familie löst, um ein selbständiges Leben aufzubauen. Es geht nicht darum, dass man im Streit auseinander geht. Streit könnte es geben, wenn die Eltern zu sehr klammern. Aber wir brauchen nur eine gewisse Distanz, denn wir haben jeder unser eigenes Leben, unsere eigene uns von Gott geschenkte Berufung. Wir sollen nicht nach hinten schauen, sondern nach vorn. Wozu bin ich auf dieser Welt, wozu bin ich da? Und die Familie soll uns nicht auf unserem Weg aufhalten.

Er verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen.

Ich glaube, dass Jesus frei sein sollte, etwas Neues aufzubauen. Wir wissen, wie sehr ihn seine Mutter dabei unterstützt hat. Auch seine Verwandten würden ihn nach anfänglich kritischer Distanz unterstützen, denn sie hatten sich später der christlichen Gemeinschaft angeschlossen. Trotzdem muss sich Jesus erst einmal selbständig auf den Weg machen, ganz im Willen des Vaters.

Er verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen.

Was heißt das für uns? Wir sind Gemeinschaftswesen, aber wir sind auch einmalig. In der Gemeinschaft fördern wir uns gegenseitig, unseren je eigenen Weg zu gehen. Aber wir müssen frei sein und frei bleiben, damit wir wirklich unser eigenen Berufung folgen. Das führt auch zur Erkenntnis einer Grund-Einsamkeit des Menschen. Wenn wir uns zu sehr an andere Menschen klammern, hindert uns das daran, unserer eigenen Berufung zu folgen. Für die Menschen, die Gott nicht kennen, ist Familie oft das Wichtigste. Für uns Christen ist Gott der Wichtigste, und die Familie darf uns nicht daran hindern, unseren Weg mit Gott zu gehen.

Gebet:

Jesus, ich danke dir für unsere Familien, die so eine wichtige Rolle in unserem Leben spielen. Ich danke dir aber besonders für meine Berufung, für meine Einmaligkeit. Bitte hilf mir, den Schmerz der Einsamkeit anzunehmen, der aus meiner Einmaligkeit folgt. Lass mich meine Berufung für die Gemeinschaft leben, aber hilf mir auch loszulassen, wo die Gemeinschaft mich zurückhalten will.

Pastor Roland Bohnen

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Eine Antwort auf „Er verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen. (Mt 4,13)“

Persönliche Vorschlag um nochmal nachzudenken auf zwei Zitate aus heutigen Impuls, Viktor-Maria aus Eggenfelden.

1] Wir sollen nicht nach hinten schauen, sondern nach vorn. Wozu bin ich auf dieser Welt, wozu bin ich da? Und die Familie soll uns nicht auf unserem Weg aufhalten.

2] Ich glaube, dass Jesus frei sein sollte, etwas Neues aufzubauen. Wir wissen, wie sehr ihn seine Mutter dabei unterstützt hat. Auch seine Verwandten würden ihn nach anfänglich kritischer Distanz unterstützen, denn sie hatten sich später der christlichen Gemeinschaft angeschlossen. Trotzdem muss sich Jesus erst einmal selbständig auf den Weg machen, ganz im Willen des Vaters.

Das sollte für uns noch mehr Ansporn Jesus nach zu eifern.
In diesem Sinne: Gelobt sei Jesus-Christus, in Ewigkeit – Amen.

Herzlich
Viktor-Maria Stein 👍 🙏 😀.

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