02 Sonntag der Fastenzeit
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus
Mt 17, 1–9
In jener Zeit nahm Jesus Petrus, Jakobus und dessen Bruder Johannes beiseite und führte sie auf einen hohen Berg.
Und er wurde vor ihnen verwandelt; sein Gesicht leuchtete wie die Sonne und seine Kleider wurden weiß wie das Licht.
Und siehe, es erschienen ihnen Mose und Elija und redeten mit Jesus.
Und Petrus antwortete und sagte zu Jesus: Herr, es ist gut, dass wir hier sind. Wenn du willst, werde ich hier drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija.
Noch während er redete, siehe, eine leuchtende Wolke überschattete sie und siehe, eine Stimme erscholl aus der Wolke: Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe; auf ihn sollt ihr hören.
Als die Jünger das hörten, warfen sie sich mit dem Gesicht zu Boden und fürchteten sich sehr.
Da trat Jesus zu ihnen, fasste sie an und sagte: Steht auf und fürchtet euch nicht!
Und als sie aufblickten, sahen sie niemanden außer Jesus allein.
Während sie den Berg hinabstiegen, gebot ihnen Jesus: Erzählt niemandem von dem, was ihr gesehen habt, bis der Menschensohn von den Toten auferweckt ist!
Tagesimpuls
Und als sie aufblickten, sahen sie niemanden außer Jesus allein. (Mt 17,8)
Die Jünger gehen durch ein Wechselbad der Gefühle. Erst sind sie so fasziniert, dass sie gerne bleiben möchten, dann überfällt sie große Furcht. Gefühle können einen hin- und herreißen. Unser Glaube sollte nicht allein auf Gefühlen basieren. Das wird im Evangelium wunderbar gezeigt. Am Schluss ist es nur noch Jesus, der sie an der Hand hält. Das ist unsere Grundlage, darauf basiert unser Glaube. Und Jesus ist real. Seine Worte sind real in dieser Welt. Sie sind da, egal ob wir positive oder negative Gefühle haben. Sie unterliegen keinen Schwankungen.
Und als sie aufblickten, sahen sie niemanden außer Jesus allein.
Damit werden Gefühle nicht abgewertet. Sie haben einen wichtigen Stellenwert, aber eben nur einen Stellenwert. Sie sind nicht die Grundlage von allem. Wir dürfen ihnen nur den Raum zugestehen, den sie auch wirklich haben. Wenn z.B. jemand nie positive religiöse Gefühle hat, dann würde ich darauf tippen, dass ihm die Gemeinschaft im Glauben fehlt. Wir alle brauchen solche Momente der Ermutigung, wie die drei Jünger sie mit Jesus auf dem Berg erleben durften. Wenn man spürt, dass das Gebet zu sehr trocken geworden ist, dann darf man sich fragen: Wann warst du zuletzt auf einer Wallfahrt oder bei Exerzitien?
Und als sie aufblickten, sahen sie niemanden außer Jesus allein.
Warum kann das Erlebnis mit Gott auch ängstigend sein? Ich glaube, es liegt daran, dass wir Gott mehr kennenlernen. Er ist eben nicht nur das Kind in der Krippe, sondern auch der Allmächtige. Und indem wir ihn als den Allmächtigen, den ganz Anderen kennenlernen, da kann es uns Angst machen. Damit verbunden ist auch der Verlust unserer Kontrolle über unsere Umgebung. Es geschieht etwas, was wir nicht einordnen, nicht kontrollieren können, was noch nie da gewesen ist. Wir können Gott nicht im Griff haben. Und wenn so etwas geschieht, dann macht das Angst, weil wir nicht wissen, was mit uns geschehen wird. Aber ehrlich gesagt, es ist nur ein Zeichen, weil wir Gott, dem für uns Unbekannten, noch nicht so sehr vertrauen können.
Und als sie aufblickten, sahen sie niemanden außer Jesus allein.
Was heißt das nun für uns? Wir wollen dankbar sein für religiöse Gefühle. Wir wollen sogar in einem bestimmten Rahmen die Faszination und die Begeisterung suchen, indem wir uns öffnen und Zeit nehmen für Gebet und Besinnung, auch für Wallfahrten und Exerzitien. Wir wollen aber auch am Glauben festhalten, wenn die Gefühle weniger stark da sind. Und wir wollen auch dann auf Gott vertrauen, wenn er uns als der ganz Andere und der Unverständliche erscheint.
Gebet:
Jesus, ich danke dir für die Verklärung und für alle vergleichbaren Erlebnisse, die du uns schon geschenkt hast. Bitte lass uns im Glauben immer wieder ermutigt werden! Schenke jedem von uns die Glaubensgemeinschaft, die er braucht, damit unser Glaube immer wieder lebendig wird. Hilf uns, dir auch dann zu vertrauen, wenn wir dich nicht verstehen.
Pastor Roland Bohnen
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