06 Woche im Jahreskreis Montag
Aus dem heiligen Evangelium nach Markus
Mk 8, 11–13
In jener Zeit kamen die Pharisäer und begannen ein Streitgespräch mit Jesus; sie forderten von ihm ein Zeichen vom Himmel, um ihn zu versuchen.
Da seufzte er im Geist auf und sagte: Was fordert diese Generation ein Zeichen? Amen, ich sage euch: Dieser Generation wird niemals ein Zeichen gegeben werden.
Und er verließ sie, stieg in das Boot und fuhr ans andere Ufer.
Tagesimpuls
Dieser Generation wird niemals ein Zeichen gegeben werden. (Mk 8,12)
Ich stelle mir die Beziehung zweier Menschen vor, wo der eine dem anderen nicht mehr vertraut. Wenn nun der andere ein Geschenk macht als Zeichen der Freundschaft, dann wird der erste das nicht so sehen können. Weil er kein Vertrauen mehr hat, wird er das Geschenk vielleicht als Versuch einer Bestechung empfinden, oder als ein unehrliches Sich-Anbiedern mit hinterhältigen Absichten. Ein kleines Beispiel dazu ist der Ehemann, der seiner Frau ein Geschenk mitbringt. Sie denkt in ihrer Enttäuschung: „Was hat er denn jetzt schon wieder ausgefressen, dass er mich nun mit einem Geschenk gütig stimmen will!“ Ein Geschenk, das Ausdruck der Freundschaft sein soll, kann nur verstanden werden, wenn ein gegenseitiges Grundvertrauen da ist. Oder wenigstens die Bereitschaft dazu.
Dieser Generation wird niemals ein Zeichen gegeben werden.
Wenn man das bedenkt, kann man verstehen, warum Jesus kein Zeichen geben will. Man vertraut ihm ja sowieso nicht. Wenn er ein Zeichen geben würde als Zugeständnis an die Pharisäer, dann würden sie es missinterpretierten. Sie würden vielleicht sagen: „Er ist mit dem Teufel im Bunde, daher kann er diese Zeichen wirken.“ Ein Zeichen hilft dem nicht, der kein Grundvertrauen in die Person hat, die das Zeichen gibt.
Dieser Generation wird niemals ein Zeichen gegeben werden.
Ich erinnere mich an die Erzählung, die ich in einem Vortrag gehört habe. Es ging um ein Heilungswunder, das man durch Röntgenbilder von vorher und nachher eindeutig beweisen konnte. Als der so Geheilte die Bilder einem Arzt zeigte, sagte der: „Dann muss jemand die Bilder vertauscht haben.“ Wer nicht glauben will, der wird irgendeine Erklärung finden für das Zeichen. Er wird das Zeichen nicht anerkennen. Eine Krebskranke, für die viele Menschen gebetet hatten, wurde geheilt. Dann sagte sie: „Ich bin eben eine Kämpfernatur.“ Für sie war ihre eigene Heilung kein Zeichen Gottes.
Dieser Generation wird niemals ein Zeichen gegeben werden.
Wer dagegen einen tiefen Glauben hat, für den wird alles zum Zeichen der Liebe Gottes. Der kann Wunder als Zeichen der Liebe Gottes anerkennen, aber er sieht auch in alltäglichen Dingen Zeichen Gottes. So vieles geschieht, von dem man oberflächlich keine Notiz nehmen würde, was aber Geschenke von Gott sind. Andere nennen es Zufall, andere schreiben es sich ihren eigenen Fähigkeiten zu. Für uns aber sind dies alles Zeichen, die Gott uns schenkt weil er uns damit seine Liebe ausdrücken möchte. Vielleicht können wir heute Abend einmal überlegen, wie viele Zeichen Gott uns im Laufe des Tages geschenkt hat.
Gebet:
Jesus, ich danke dir von ganzem Herzen für die Zeichen, die du mir schenkst. Ich danke dir vor allem, dass ich sie als deine Zeichen erkennen kann. Ich danke dir für die Freude, die daraus entsteht, weil ich immer wieder versichert werde, dass ich dein geliebtes Kind bin, und wie sehr du auf mich achtest.
Pastor Roland Bohnen
Pfarrer-Kreins-Str. 2
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Telefon 02456 – 3627
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