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Tagesimpuls

Die Leute, die vorbeikamen, verhöhnten ihn. (Mt 27,39)

Palmsonntag

Passion

Mt 27, 11–54

11 Als Jesus vor dem Statthalter stand, fragte ihn dieser:
Bist du der König der Juden?
Jesus antwortete:

Du sagst es.
12 Als aber die Hohepriester und die Ältesten ihn anklagten,
gab er keine Antwort.
13 Da sagte Pilatus zu ihm:
Hörst du nicht, was sie dir alles vorwerfen?
14 Er aber antwortete ihm auf keine einzige Frage,
sodass der Statthalter sehr verwundert war.
15 Jeweils zum Fest
pflegte der Statthalter einen Gefangenen freizulassen,
den das Volk verlangte.
16 Damals war gerade ein berüchtigter Mann
namens Bárabbas im Gefängnis.
17 Pilatus fragte nun die Menge, die zusammengekommen war:
Was wollt ihr?
Wen soll ich freilassen,
Bárabbas oder Jesus, den man den Christus nennt?
18 Er wusste nämlich,
dass man Jesus nur aus Neid an ihn ausgeliefert hatte.
19 Während Pilatus auf dem Richterstuhl saß,
sandte seine Frau zu ihm und ließ ihm sagen:
Habe du nichts zu schaffen mit jenem Gerechten!
Ich habe heute seinetwegen im Traum viel gelitten.
20 Inzwischen
überredeten die Hohepriester und die Ältesten die Menge,
die Freilassung des Bárabbas zu fordern,
Jesus aber hinrichten zu lassen.
21 Der Statthalter fragte sie:
Wen von beiden soll ich freilassen?
Sie riefen:
Bárabbas!
22 Pilatus sagte zu ihnen:
Was soll ich dann mit Jesus tun,
den man den Christus nennt?

Da antworteten sie alle:
Ans Kreuz mit ihm!
23 Er erwiderte:
Was für ein Verbrechen hat er denn begangen?
Sie aber schrien noch lauter:
Ans Kreuz mit ihm!
24 Als Pilatus sah, dass er nichts erreichte,
sondern dass der Tumult immer größer wurde,
ließ er Wasser bringen,
wusch sich vor allen Leuten die Hände
und sagte:
Ich bin unschuldig am Blut dieses Menschen.
Das ist eure Sache!
25 Da rief das ganze Volk:
Sein Blut – über uns und unsere Kinder!
26 Darauf ließ er Bárabbas frei,
Jesus aber ließ er geißeln und lieferte ihn aus zur Kreuzigung.

27 Da nahmen die Soldaten des Statthalters Jesus,
führten ihn in das Prätórium
und versammelten die ganze Kohórte um ihn.
28 Sie zogen ihn aus
und legten ihm einen purpurroten Mantel um.
29 Dann flochten sie einen Kranz aus Dornen;
den setzten sie ihm auf das Haupt
und gaben ihm einen Stock in die rechte Hand.
Sie fielen vor ihm auf die Knie
und verhöhnten ihn, indem sie riefen:
Sei gegrüßt, König der Juden!
30 Und sie spuckten ihn an,
nahmen ihm den Stock wieder weg
und schlugen damit auf seinen Kopf.
31a Nachdem sie so ihren Spott mit ihm getrieben hatten,
nahmen sie ihm den Mantel ab
und zogen ihm seine eigenen Kleider wieder an.

31b Dann führten sie Jesus hinaus,
um ihn zu kreuzigen.
32 Auf dem Weg trafen sie einen Mann aus Kyréne namens Simon;
ihn zwangen sie, sein Kreuz zu tragen.
33 So kamen sie an den Ort, der Gólgota genannt wird,
das heißt Schädelhöhe.
34 Und sie gaben ihm Wein zu trinken, der mit Galle vermischt war;
als er aber davon gekostet hatte, wollte er ihn nicht trinken.
35 Nachdem sie ihn gekreuzigt hatten,
verteilten sie seine Kleider, indem sie das Los über sie warfen.
36 Dann setzten sie sich nieder und bewachten ihn dort.
37 Über seinem Kopf hatten sie eine Aufschrift angebracht,
die seine Schuld angab:
Das ist Jesus, der König der Juden.
38 Zusammen mit ihm wurden zwei Räuber gekreuzigt,
der eine rechts von ihm, der andere links.
39 Die Leute, die vorbeikamen, verhöhnten ihn,
schüttelten den Kopf
40 und riefen:
Du willst den Tempel niederreißen
und in drei Tagen wieder aufbauen?
Wenn du Gottes Sohn bist,
rette dich selbst
und steig herab vom Kreuz!
41 Ebenso verhöhnten ihn auch die Hohepriester,
die Schriftgelehrten und die Ältesten
und sagten:
42 Andere hat er gerettet,
sich selbst kann er nicht retten.
Er ist doch der König von Israel! Er soll jetzt vom Kreuz herabsteigen,
dann werden wir an ihn glauben.
43 Er hat auf Gott vertraut,
der soll ihn jetzt retten, wenn er an ihm Gefallen hat;
er hat doch gesagt: Ich bin Gottes Sohn.
44 Ebenso beschimpften ihn die beiden Räuber,
die mit ihm zusammen gekreuzigt wurden.

45 Von der sechsten Stunde an war Finsternis
über dem ganzen Land bis zur neunten Stunde.
46 Um die neunte Stunde schrie Jesus mit lauter Stimme:
Eli, Eli,
lema sabachtáni?,
das heißt:
Mein Gott, mein Gott,
warum hast du mich verlassen?
47 Einige von denen, die dabeistanden und es hörten,
sagten:
Er ruft nach Elíja.
48 Sogleich lief einer von ihnen hin,
tauchte einen Schwamm in Essig,
steckte ihn auf ein Rohr
und gab Jesus zu trinken.
49 Die anderen aber sagten:
Lass,
wir wollen sehen, ob Elíja kommt und ihm hilft.
50 Jesus aber schrie noch einmal mit lauter Stimme.
Dann hauchte er den Geist aus.

51 Und siehe,
der Vorhang riss im Tempel von oben bis unten entzwei.
Die Erde bebte
und die Felsen spalteten sich.
52 Die Gräber öffneten sich
und die Leiber vieler Heiligen, die entschlafen waren,
wurden auferweckt.
53 Nach der Auferstehung Jesu verließen sie ihre Gräber,
kamen in die Heilige Stadt
und erschienen vielen.
54 Als der Hauptmann
und die Männer, die mit ihm zusammen Jesus bewachten,
das Erdbeben bemerkten
und sahen, was geschah,
erschraken sie sehr
und sagten:
Wahrhaftig, Gottes Sohn war dieser!

Tagesimpuls

Die Leute, die vorbeikamen, verhöhnten ihn. (Mt 27,39)

Nachdem Jesus gekreuzigt worden war, verhöhnten ihn alle: Die Leute, die vorbeikamen, die Hohenpriester, Schriftgelehrten und Ältesten, und sogar die beiden Verbrecher, die mit ihm gekreuzigt wurden. Es kreist immer wieder um den einen Gedanken: Er hat anderen geholfen, warum kann er sich selbst nicht helfen? Wenn er jetzt vom Kreuz herabstiege, dann würden sie glauben. Das wäre das Zeichen, das sie überzeugt. Nach drei Tagen hat Jesus als Auferstandener tatsächlich dieses Zeichen geschenkt. Aber diesen bösen Menschen wurde es nicht gegeben, sondern nur seinen Jüngern, die an ihn geglaubt haben. Die Menschen, die Jesus verhöhnen, können nicht durch ein Zeichen überzeugt werden. Daher wird es ihnen auch nicht gegeben.

Die Leute, die vorbeikamen, verhöhnten ihn.

Trotzdem werden hier Zeichen beschrieben, die allerdings die Bösen nicht aufhorchen lassen. Es wird dunkel! Dann später kommt ein Erdbeben. Wenigstens der Hauptmann begreift es und wird gläubig. Aber Jesus ist nicht vom Kreuz herabgestiegen. Er durchlebt eine Gottverlassenheit und drückt das in seinen Worten am Kreuz aus. Der Vater hilft ihm scheinbar nicht. Damit erlebt Jesus die Dunkelheit, in der viele Menschen auf Grund ihrer Sünden stecken. Die Menschen klagen darüber, dass Gott sich nicht zeigt, während sie gleichzeitig die offensichtlichsten Zeichen nicht wahrhaben wollen. Und so ist es um sie herum dunkel. Es ist wie wenn jemand die Augen schließt und dann klagt, dass es dunkel ist. Und genau in diese Glaubensnot und Glaubensdunkelheit so vieler Menschen begibt sich Jesus freiwillig, als er schreit: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“

Die Leute, die vorbeikamen, verhöhnten ihn.

Was bedeutet das für uns? Wir bezeugen die Liebe Gottes, aber auch wir kommen in Situationen der Dunkelheit, wo sich Gott nicht zeigt, wo andere uns verhöhnen. Wenn wir in diesem Dunkel stecken, dann sollen wir glauben, dass nach drei Tagen auch für uns die Auferstehung kommt. Gott zeigt sich nicht so, wie die Bösen es denken oder erwarten. Gott zeigt sich denen, die mitten im Dunkel trotzdem glauben und das Licht erwarten.

Gebet:

Jesus, du hast freiwillig alles Dunkel der Glaubenslosigkeit und Gottlosigkeit auf dich genommen. Auch wir stehen oft im Dunkel und werden von den Menschen verspottet. Hilf uns, auch in der Dunkelheit zu glauben und lass uns die Auferstehung erleben.

Pastor Roland Bohnen

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