Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden! (Mt 9,38)

14 Woche im Jahreskreis Dienstag

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus
Mt 9, 32–38

In jener Zeit brachte man zu Jesus einen Stummen, der von einem Dämon besessen war.
Er trieb den Dämon aus und der Stumme konnte reden. Alle Leute staunten und sagten: So etwas ist in Israel noch nie gesehen worden.
Die Pharisäer aber sagten: Mit Hilfe des Anführers der Dämonen treibt er die Dämonen aus.
Jesus zog durch alle Städte und Dörfer, lehrte in ihren Synagogen, verkündete das Evangelium vom Reich und heilte alle Krankheiten und Leiden.
Als er die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen; denn sie waren müde und erschöpft wie Schafe, die keinen Hirten haben.
Da sagte er zu seinen Jüngern: Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter.
Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden!

Tagesimpuls

Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden! (Mt 9,38)

Obwohl Jesus von den Pharisäern sehr ernsthaft angegriffen wird, geht er seinen Weg unbeirrt weiter. Dabei ist der Angriff der Pharisäer keine Kleinigkeit. Sie behaupten, dass Jesus mit dem Teufel im Bund sei. Aber Jesus reagiert gar nicht darauf, sondern er fährt fort mit Lehren und Heilen. Hier sieht man, was Jesus wichtig ist! Er will seine Kraft nicht verschwenden an den Kritikern. Er lässt sich nicht aufhalten, wenn man ihm Knüppel in den Weg schmeißt. Er bleibt fokussiert auf das, was sein Auftrag ist.

Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden!

Am Ende steht für Jesus sogar die Expansion seiner Mission im Mittelpunkt. Wie kann er noch mehr Menschen lehren, heilen und begeistern? Er braucht mehr Mitarbeiter, denn die Ernte ist so groß! Das ist auch meine Erfahrung! Wenn die schwersten Angriffe kommen, dann ist zugleich auch die Fruchtbarkeit am größten. Dann wächst das Reich Gottes, dann wächst die Kirche.

Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden!

Wie gehen wir mit Angriffen um? Neige ich dazu, dass es mich zurückwirft, dass ich mich beleidigt zurückziehe? Schenke ich dem Negativen vielleicht zu viel Aufmerksamkeit? Wir sollten von Jesus lernen. Das Negative muss man gar nicht beachten, sondern geradlinig seinen Weg weitergehen. Und vor allem: Die Chancen wahrnehmen, die sich gerade dann bieten, wenn man angegriffen wird. Es sind viele Gnaden, die dann warten. Und schließlich kommt es uns ja darauf an, so viele Menschen wie möglich zu retten. Wenn die Fruchtbarkeit durch die Angriffe wächst, dann nehmen wir die Angriffe doch einfach an, ohne uns von ihnen ablenken zu lassen! Gott wird für alles sorgen.

Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden!

Wir sollten auch sehr konkret um Mitarbeiter im Reich Gottes bitten. Wie oft hört man von Knappheit der Ressourcen. Manchmal klagen die Ehrenamtlichen: „Immer weniger müssen immer mehr machen.“ Wir dürfen alle unsere Nöte im Gebet Jesus anvertrauen. Darüber hinaus haben wir eine Jüngerschaftsgruppe gegründet nach einem Modell, dass sich „Leadership Development“ nennt. Dadurch gewinnen wir neue Mitarbeiter. Jesus hat sich auch mit den zwölf Aposteln getroffen, um sie auszubilden. So treffen wir uns auch in der Jüngerschaftsgruppe. Und viermal im Jahr laden wir neue Mitglieder dazu ein, dabei mitzumachen. Wir beten also um neue Mitarbeiter, aber dann sammeln wir sie auch, um sie auszubilden und vorzubereiten.

Gebet:

Jesus, ich gehe mit Angriffen nicht immer so um wie du. Ich falle in die Versuchung von Klage und Selbstmitleid. Bitte hilf mir, ruhig und fokussiert zu bleiben auf meinen Auftrag. Danke, dass auch wir das Wachstum und die Fruchtbarkeit erleben dürfen. Danke für alle Mitarbeiter, die du uns sendest.

Pastor Roland Bohnen

www.tagesimpuls.org

Pfarrer-Kreins-Str. 2
52538 Selfkant Süsterseel
Telefon 02456 – 3627
Fax 02456 – 3019
pastor.bohnen@kirche-selfkant.de
www.kirche-selfkant.de

2 Kommentare

  1. Ein Kommentar zum segenreichen heutigen Tagesimpuls aus griechisch orthodoxer Perspektive – im Licht der gemeinsamen Feier in Hillensberg am 11.6.26

    —-

    Der heutige Tagesimpuls von Pastor Roland Bohnen berührt Fragen, die für alle Christen grundlegend sind:

    Wie gehen wir mit Widerständen um, und wie gewinnen wir neue Arbeiter für die Ernte des Herrn?

    Erst kürzlich, am 11. Juni 2026, durften wir in der historischen Bergkirche St. Michael in Hillensberg beim Jubiläum der wundertätigen Ikone „Axion Estin“ erleben, wie die gemeinsame Verehrung der Allheiligsten Mutter Gottes zu einer Brücke der Einheit zwischen unseren Traditionen wird.

    An diesem Ort, wo drei Nationen aufeinandertreffen, wurde spürbar, dass der Herr seine Kirche organisch zusammenführt.

    Ausgehend von dieser tiefen geschwisterlichen Erfahrung lässt sich die Perspektive der griechisch-orthodoxen Tradition auf das Evangelium (Mt 9, 32–38) als eine ergänzende, bereichernde Sichtweise entfalten.

    Wenn Christus den stummen Besessenen heilt, sieht die orthodoxe Theologie darin die Wiederherstellung der ursprünglichen Schöpfungsordnung. Sünde und geistliche Angriffe werden nicht primär juristisch, sondern als Krankheit des Menschen verstanden.

    Christus ist der „Arzt der Seelen und Leiber“, der den Menschen von der Isolation der Stummheit befreit, damit dieser wieder in die eucharistische Gemeinschaft eintreten kann.

    Das im Text erwähnte Erbarmen Jesu (Splanchnizomai) speist sich aus den ungeschaffenen göttlichen Energien: Gott leidet in seiner Menschheit mit uns, um uns durch Seine Gnade zu heilen und uns an Seiner göttlichen Natur Anteil zu geben (Theosis).

    Pastor Bohnen beschreibt treffend, dass Jesus sich von den Angriffen der Pharisäer nicht ablenken lässt. Die ostkirchliche Askese vertieft diesen Gedanken durch das Konzept der Nepsis (Wachsamkeit) und der Hesychia (inneren Ruhe). Die Wüstenväter lehren, dass man auf die Einflüsterungen des Widersachers und ungerechte Kritik überhaupt nicht reagieren soll, da jede Diskussion mit dem Bösen nur vom Gebet ablenkt.

    So sagte Abba Moses der Äthiopier: „Geh, sitze in deiner Zelle, und deine Zelle wird dich alles lehren.“ Die Souveränität Jesu im Evangelium zeigt die vollkommene Freiheit von Zorn und Stolz – eine Haltung, die wir durch das unaufhörliche Herzensgebet erstreben.

    Ein besonders schöner Dialog ergibt sich bei der Frage nach den „Arbeitern für die Ernte“. Während westliche Gemeinden in Zeiten von Ressourcenknappheit verständlicherweise auf strukturierte Programme wie das „Leadership Development“ setzen, nähert sich die Orthodoxie dieser Dynamik von innen nach außen.

    Das Wachstum der Kirche ist ein vom Heiligen Geist geleiteter, organischer Prozess, das auf dem Zusammenwirken (Synergia) zwischen Gottes Willen und menschlicher Freiheit beruht.

    Anstelle von funktionalen Trainingsmodellen kennt die Ostkirche den Weg der jedes mal persönlichen geistlichen Vaterschaft. Ein geistlicher Vater formt keine klassischen Führungskräfte, sondern begleitet Seelen auf dem Weg der inneren Reinigung.

    Die eigentliche Formung „zum Arbeiter im Weinberg“ geschieht durch die Mystagogie – das Hineinwachsen in die sakramentale Gemeinschaft. In der Feier der Göttlichen Liturgie, wie wir sie gemeinsam im Geist der Gottesmutter in Hillensberg gefeiert haben, verwandelt der Heilige Geist den Menschen.

    Die christliche Autorität wächst im Osten nicht durch ein erlerntes Anforderungsprofil, sondern durch sichtbare Demut (Tapeinosis), Liebe und geistliche Reife.

    Ein berühmtes Wort von Abba Poimen erinnert uns daran: „Nicht die Aktivität zählt, sondern die Reinheit des Herzens.“ Wenn das Herz des Menschen geheilt ist, wird er im Gehorsam und ganz von selbst !…zu einem fruchtbaren Arbeiter in der Ernte – getragen vom Schutz der Allheiligsten Mutter Gottes, die uns alle in Hillensberg und Umgebung in der Liebe ihres Sohnes vereint.

    Dr.St.Patsourakou, Hillensberg

  2. Bitte verlinken Sie “ Leadership Development“. Oder nennen Sie mehr Informationen zum Inhalt und Ablauf zur Stärkung von Ehrenamtlichen. Danke

Kommentar verfassen