Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es re iche Frucht. (Joh 12,24)

Heiliger Laurentius

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes
Joh 12, 24–26

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Amen, amen, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht.
Wer sein Leben liebt, verliert es; wer aber sein Leben in dieser Welt gering achtet, wird es bewahren bis ins ewige Leben.
Wenn einer mir dienen will, folge er mir nach; und wo ich bin, dort wird auch mein Diener sein. Wenn einer mir dient, wird der Vater ihn ehren.

Tagesimpuls

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht. (Joh 12,24)

Vielleicht kennen alle schon Situationen, wo wir ein wenig Angst davor hatten, aber wir haben uns doch darauf eingelassen. Und dann wurde es sehr schön, weitaus schöner, als wir erwartet hatten. Und in der Situation hatten wir selbst nicht die Kontrolle, wir haben uns darauf eingelassen. Ist so etwas nicht eine Situation, wie sie hier im Evangelium beschreiben ist? Es ist wie ein kleines Sterben, wenn man die Kontrolle loslassen muss. Man muss seine Angst überwinden, weil man nicht selbst kontrollieren kann, was geschehen wird. Es fällt einem nicht leicht, aber später sieht man, dass man alles richtig gemacht hat.

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht.

Natürlich kann man das nicht annähernd mit dem Martyrium des Heiligen Laurentius vergleichen. Aber wir sind zu unserem Leben berufen dort, wo wir uns jetzt befinden. Und an unserem Platz gibt es auch die vielen kleinen Schritte, die vielen kleinen Tode, die wir sterben können, damit unser Leben fruchtbar wird. Meistens sind Situationen, wie ich sie oben beschrieben habe, mit Menschen verbunden, auf die man sich einlässt – oder eben auch nicht. Das kann z.B. passieren bei Einladungen, bei Feiern, bei größeren Veranstaltungen. Wie oft hört man Menschen sagen: „Ich habe eigentlich keine Lust, da hinzugehen!“ Verbirgt sich dahinter vielleicht Angst, weil man sich einlassen muss auf etwas, was man selbst nicht so steuern kann, wie man es möchte?

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht.

Wenn wir unsere Angst überwinden, dann machen wir eine Erfahrung: Ich bin ein Geschenk für die anderen, und jeder andere ist ein Geschenk für mich. Die anderen Menschen sind keine Bedrohung, sondern ein Geschenk. Indem jeder auf seine Weise sich selbst loslässt, werden wir für einander zum Geschenk. Und das ist genau das, wozu Gott uns geschaffen hat. Wir sollen uns nicht wie in einer Burg einigeln, sondern wir sollen einander zum Geschenk werden. Das könnte ein schönes Motto für den heutigen Tag werden: Geschenk sein für den anderen!

Gebet:

Jesus, du hast uns geschaffen, damit wir einander schenken. Hilf uns, unsere Angst zu überwinden! Hilf uns, der Lüge zu widersagen, dass die Mitmenschen gefährlich seien, dass das Leben eine Gefahr für uns sei. Lass uns den Wert des Geschenks erkennen, der das Leben und die Mitmenschen für uns sind.

Pastor Roland Bohnen

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