Hört er aber auch auf die Gemeinde nicht, dann sei er für dich wie ein Heide oder ein Zöllner. (M t 18,17)
19 Woche im Jahreskreis Mittwoch
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus
Mt 18, 15–20
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wenn dein Bruder gegen dich sündigt, dann geh und weise ihn unter vier Augen zurecht! Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder zurückgewonnen.
Hört er aber nicht auf dich, dann nimm einen oder zwei mit dir, damit die ganze Sache durch die Aussage von zwei oder drei Zeugen entschieden werde.
Hört er auch auf sie nicht, dann sag es der Gemeinde! Hört er aber auch auf die Gemeinde nicht, dann sei er für dich wie ein Heide oder ein Zöllner.
Amen, ich sage euch: Alles, was ihr auf Erden binden werdet, das wird auch im Himmel gebunden sein, und alles, was ihr auf Erden lösen werdet, das wird auch im Himmel gelöst sein.
Weiter sage ich euch: Was auch immer zwei von euch auf Erden einmütig erbitten, werden sie von meinem himmlischen Vater erhalten.
Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.
Tagesimpuls
Hört er aber auch auf die Gemeinde nicht, dann sei er für dich wie ein Heide oder ein Zöllner. (Mt 18,17)
Mir fallen die kleinen Worte „für dich“ auf. Du hast das Recht, dich von bestimmten Menschen zu distanzieren. Das soll erst geschehen, nachdem du die Schritte der Versöhnung, die Jesus oben beschrieben hatte, versucht hast. Aber Jesus ist realistisch. Es wird nicht mit allen Menschen klappen. Übrigens sagt Paulus dasselbe: „So weit es an euch liegt, haltet mit allen Menschen Frieden!“ Damit sagt er klar, dass es nicht immer an uns liegt. Es kann Menschen geben, wo wir zwar den guten Willen haben, mit denen wir uns aber nicht versöhnen können.
Hört er aber auch auf die Gemeinde nicht, dann sei er für dich wie ein Heide oder ein Zöllner.
Wenn wir diese kleinen Worte „für dich“ genau verstehen, dann wird klar, dass es sich eben nicht um einen Gemeindeausschluss, nicht um eine Exkommunikation handelt. Dieser Mensch lebt in der Gemeinde, aber du darfst ihn wie einen Außenstehenden betrachten, du darfst dich von ihm distanzieren. „Für dich“ ist es so, das heißt nicht, dass es für alle anderen auch so sein muss. Er hat vielleicht andere Freunde, mit denen er sich versteht, und das ist auch gut so. Aber realistisch ist, dass nicht jeder Mensch immer sofort alle seine Fehler erkennt und sich bessert. Realistisch ist, dass in der Gemeinde Menschen mit ihren Fehlern miteinander leben, und das führt dazu, dass nicht alle mit allen befreundet sein können.
Hört er aber auch auf die Gemeinde nicht, dann sei er für dich wie ein Heide oder ein Zöllner.
Was aber immer geht, ist das Verzeihen. Ich kann jedem Menschen vergeben, auch wenn eine Versöhnung im Moment nicht möglich ist, auch wenn ich mich von ihm distanzieren muss. Verzeihen müssen wir, denn sonst behalten wir Bitterkeit in unserem Herzen. Unser Herz sollte immer frei sein von Bitterkeit, Zorn und Hass. Wir sollen den Menschen, die uns verletzen verzeihen und Gutes wünschen, auch wenn wir selbst uns von ihnen distanzieren müssen. Das geht. Man kann ein reines Herz haben bezüglich Menschen, zu denen man keinen Kontakt haben will.
Gebet:
Jesus, du sagst am Ende deiner Rede, dass wir gemeinsam für die Menschen beten sollen. Das beziehst du sicher auch auf die Sünder, zu denen wir im Moment keinen Kontakt haben können. Danke, dass wir immer für alle beten können und dürfen, und danke, dass dadurch schon viele Wunder geschehen sind, ganz besonders durch das gemeinsame Gebet. Danke, dass es keine einzige hoffnungslose Situation gibt.
Pastor Roland Bohnen
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