Hättest nicht auch du mit deinem Mitknecht Erbarmen haben müssen, so wie ich mit dir Erbarmen hatte? ( Mt 18,33)
19 Woche im Jahreskreis Donnerstag
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus
Mt 18, 21 – 19, 1
In jener Zeit trat Petrus zu Jesus und fragte: Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er gegen mich sündigt? Bis zu siebenmal?
Jesus sagte zu ihm: Ich sage dir nicht: Bis zu siebenmal, sondern bis zu siebzigmal siebenmal.
Mit dem Himmelreich ist es deshalb wie mit einem König, der beschloss, von seinen Knechten Rechenschaft zu verlangen.
Als er nun mit der Abrechnung begann, brachte man einen zu ihm, der ihm zehntausend Talente schuldig war.
Weil er aber das Geld nicht zurückzahlen konnte, befahl der Herr, ihn mit Frau und Kindern und allem, was er besaß, zu verkaufen und so die Schuld zu begleichen.
Da fiel der Knecht vor ihm auf die Knie und bat: Hab Geduld mit mir! Ich werde dir alles zurückzahlen.
Der Herr des Knechtes hatte Mitleid, ließ ihn gehen und schenkte ihm die Schuld.
Als nun der Knecht hinausging, traf er einen Mitknecht, der ihm hundert Denare schuldig war.Er packte ihn, würgte ihn und sagte: Bezahl, was du schuldig bist!
Da fiel der Mitknecht vor ihm nieder und flehte: Hab Geduld mit mir! Ich werde es dir zurückzahlen.
Er aber wollte nicht, sondern ging weg und ließ ihn ins Gefängnis werfen, bis er die Schuld bezahlt habe.
Als die Mitknechte das sahen, waren sie sehr betrübt; sie gingen zu ihrem Herrn und berichteten ihm alles, was geschehen war.
Da ließ ihn sein Herr rufen und sagte zu ihm: Du elender Knecht! Deine ganze Schuld habe ich dir erlassen, weil du mich angefleht hast.
Hättest nicht auch du mit deinem Mitknecht Erbarmen haben müssen, so wie ich mit dir Erbarmen hatte?
Und in seinem Zorn übergab ihn der Herr den Peinigern, bis er die ganze Schuld bezahlt habe.
Ebenso wird mein himmlischer Vater euch behandeln, wenn nicht jeder seinem Bruder von Herzen vergibt.
Und es geschah, als Jesus diese Reden beendet hatte, verließ er Galiläa und zog in das Gebiet von Judäa jenseits des Jordan.
Tagesimpuls
Hättest nicht auch du mit deinem Mitknecht Erbarmen haben müssen, so wie ich mit dir Erbarmen hatte? (Mt 18,33)
Weil wir täglich das Evangelium betrachten, können wir es im Zusammenhang mit dem Evangelium von gestern sehen. Es ging darum, dass man sich manchmal distanzieren muss, wenn man mit Menschen nicht zurecht kommt. Aber dann kam schon die Aufforderung zum Gebet, vor allem dass man zu zweit oder zu dritt für die Person betet. Dann können noch Wunder geschehen, denn keine einzige Situation ist hoffnungslos.
Hättest nicht auch du mit deinem Mitknecht Erbarmen haben müssen, so wie ich mit dir Erbarmen hatte?
Heute nun geht es weiter, und zwar mit dem Vergeben. Wir sollen auf jeden Fall allen Menschen vergeben. Das hat nichts damit zu tun, ob es möglich ist, sich zu versöhnen. Vergeben kann man auch seinen Feinden. Und an dieser Stelle ist Jesus sehr konsequent. Hier darf es keine Ausnahme geben.
Hättest nicht auch du mit deinem Mitknecht Erbarmen haben müssen, so wie ich mit dir Erbarmen hatte?
Wenn wir an einem Konflikt beteiligt sind, dann erwarten wir normalerweise, dass die anderen unsere Absichten verstehen, dass sie Verständnis haben, wenn wir aus Unwissenheit gehandelt haben oder weil wir überfordert waren. Wir sehen immer die Gründe, warum wir nicht so sehr schuldig waren, wie es den anderen vielleicht erscheint. Und dieses Verständnis sollen wir auch für jeden anderen aufbringen. Und wir sollen immer verzeihen und dem anderen eine neue Chance geben.
Hättest nicht auch du mit deinem Mitknecht Erbarmen haben müssen, so wie ich mit dir Erbarmen hatte?
Wir können einen Test machen. Beobachten wir uns, wenn wir versucht sind, über einen anderen schlecht zu reden, oder wenn es uns sogar passiert ist. Mir ist es gestern noch passiert, dass ich über die Fehler anderer gesprochen habe. Wenn uns so etwas passiert, ist das wahrscheinlich ein Hinweis, dass wir uns über den anderen geärgert und ihm noch nicht ganz verziehen haben. Es wäre eine gute Übung, wenn wir immer dann, wenn die Versuchung zum negativen Reden kommt, der Person ausdrücklich vergeben, was sie Schlechtes getan hat. Das hilft uns auch, eine gute Atmosphäre herzustellen, denn durch die Negativität belasten wir irgendwie immer auch die anderen.
Gebet:
Jesus, ich will mehr darauf achten, dass ich nicht schlecht rede. Ich will stattdessen immer wieder Verzeihung aussprechen, damit mein Herz rein wird und ich nur noch eine positive Atmosphäre um mich herum verbreite. In dieser positiven Atmosphäre können gute Dinge geschehen. Hilf mir, ganz positiv zu sein und allen zu vergeben, statt mich zu ärgern.
Pastor Roland Bohnen
Pfarrer-Kreins-Str. 2
52538 Selfkant Süsterseel
Telefon 02456 – 3627
Fax 02456 – 3019
pastor.bohnen@kirche-selfkant.de
www.kirche-selfkant.de
