Schweig und verlass ihn! (Lk 4,35)

22 Woche im Jahreskreis Dienstag

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas
Lk 4, 31–37

In jener Zeit ging Jesus hinab nach Kafarnaum, einer Stadt in Galiläa, und lehrte die Menschen am Sabbat.
Sie waren außer sich vor Staunen über seine Lehre, denn er redete mit Vollmacht.
In der Synagoge war ein Mensch, der von einem Dämon, einem unreinen Geist, besessen war. Der schrie mit lauter Stimme: He, du, was haben wir mit dir zu tun, Jesus von Nazaret? Bist du gekommen, um uns ins Verderben zu stürzen? Ich weiß, wer du bist: der Heilige Gottes!
Da drohte ihm Jesus: Schweig und verlass ihn! Der Dämon warf den Mann in ihre Mitte und verließ ihn, ohne ihm zu schaden.
Da waren alle erschrocken und einer fragte den andern: Was ist das für ein Wort? Mit Vollmacht und Kraft befiehlt er den unreinen Geistern und sie fliehen.
Und sein Ruf verbreitete sich in der ganzen Gegend.

Tagesimpuls

Schweig und verlass ihn! (Lk 4,35)

Der Dämon will Aufmerksamkeit, und er will die Menschen ängstigen. Jesus dagegen befiehlt ihm zu schweigen. Er soll weder den Menschen irgendetwas Verführerisches einflüstern noch die Menschen beunruhigen. Wir sollen unsere Aufmerksamkeit auf Jesus richten, und nicht auf das Böse. Das Böse soll uns nicht beunruhigen, und es soll uns auch nicht verführen. Es soll einfach schweigen und verschwinden.

Schweig und verlass ihn!

Die Frage, die heute von Katholiken diskutiert wird, ist: Gibt es Engel und Dämonen echt, oder sind die biblischen Begriffe Symbole für innerpsychische Realitäten? Nur wenige würden bestreiten, dass es psychische Phänomene von Unfreiheit, von Gebundenheit und Zwängen gibt. Aber sie erklären es psychologisch und verweisen auf ärztliche Behandlungen. Ich selbst glaube, dass die Dinge häufig verwickelt sind, dass häufig psychische Krankheiten und geistige Belastungen gemeinsam auftreten. Ich glaube aber auch daran, dass es diese geistige Dimension in der Realität gibt. Ich glaube, dass Engel und Dämonen nicht nur symbolische Ausdrucksweisen sind.

Schweig und verlass ihn!

Einmal erzählte ich im Kindergarten eine biblische Geschichte, wo ein Engel vorkam. Da sagte ein Kind: „Es gibt keine Geister.“ Ich vermutete, dass die Eltern ihrem Kind gesagt hatten, dass es keine Geister gibt, weil das Kind vielleicht irgendetwas Gruseliges gesehen hatte, und die Eltern haben das Kind beruhigt. Ich fand es gut, dass die Eltern ihrem Kind die Angst vor Geistern nehmen wollten. Ich erinnere mich nicht genau, wie ich geantwortet hatte. Ich bin mir tatsächlich nicht ganz sicher, ob und wie man mit so kleinen Kindern darüber sprechen kann bzw. sollte. Aber doch bin ich mir sicher, dass es diese Realität gibt. Und ich würde heute sagen, dass wir von guten Geistern umgeben sind, die uns beschützen.

Schweig und verlass ihn!

Wichtig ist, dass wir unseren Blick auf Jesus gerichtet halten und nicht auf das Böse! Es ist wie bei Petrus auf dem Wasser. Solange er den Blick auf Jesus richtet, kann er über das bedrohliche Wasser gehen, steht er im wahrsten Sinne des Wortes darüber. Schaut er aber nach unten, auf die Wellen, dann geht er unter. Wohin man schaut, dorthin geht man. Deshalb sollen wir auf Jesus schauen. Don Bosco drückte es einmal so aus: „Fröhlich sein, Gutes tun und die Spatzen pfeifen lassen!“ Wir müssen uns nicht von all dem Negativen aus dem Konzept bringen lassen, wir müssen uns nicht verrückt machen lassen! Lass die Spatzen pfeifen! Wir bleiben fröhlich und fahren fort damit, Gutes zu tun.

Gebet:

Jesus, ich will mich vom Bösen nicht verrückt machen lassen. Ich will auch immer wieder die Stimme des Bösen in mir zum Schweigen bringen. Hilf mir, dabei, auf dich zu schauen und fröhlich zu bleiben! Und schaffe mir Raum, Gutes zu tun, ohne dass ich daran gehindert werde!

Pastor Roland Bohnen

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