In jener Zeit betete Jesus für sich allein und die Jünger waren bei ihm. (Lk 9,18)
25 Woche im Jahreskreis Freitag
Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas
Lk 9, 18–22
In jener Zeit betete Jesus für sich allein und die Jünger waren bei ihm. Da fragte er sie: Für wen halten mich die Leute? Sie antworteten: Einige für Johannes den Täufer, andere für Elija; wieder andere sagen: Einer der alten Propheten ist auferstanden.
Da sagte er zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Petrus antwortete: Für den Christus Gottes.
Doch er befahl ihnen und wies sie an, es niemandem zu sagen.
Und er sagte: Der Menschensohn muss vieles erleiden und von den Ältesten, den Hohepriestern und den Schriftgelehrten verworfen werden; er muss getötet und am dritten Tage auferweckt werden.
Tagesimpuls
In jener Zeit betete Jesus für sich allein und die Jünger waren bei ihm. (Lk 9,18)
Lukas beschreibt mehr als die anderen Evangelisten, dass Jesus selbst ein betender Mensch war. Es ist aber interessant, dass Jesus in Gegenwart der Jünger allein betet. Wahrscheinlich betete Jesus häufiger und länger, und die Jünger wollten oder konnten nicht alle seine Gebetszeiten mitmachen. Wir hören auch, dass Jesus sich zum Gebet zurückgezogen hatte. Aber heute hören wir, dass er allein betete in Gegenwart der Jünger.
In jener Zeit betete Jesus für sich allein und die Jünger waren bei ihm.
Würde ich auch allein beten, während z.B. meine Familie dabei ist? Ich bete tatsächlich auch, wenn meine Haushälterin in der Nähe ist und etwas anderes macht. Ich glaube, es kommt darauf an, ob wir das Gebet als etwas Selbstverständliches betrachten. Früher betete die Oma auf ihrem Sessel den Rosenkranz, und die Familie war dabei und machte etwas anderes. Es gibt viele Tätigkeiten, die wir machen, während andere dabei sind.
In jener Zeit betete Jesus für sich allein und die Jünger waren bei ihm.
Ich will nicht sagen, dass man unbedingt im Beisein anderer beten muss. Ich glaube, dass es gut ist, wenn man sich an einen ungestörten Ort zurückziehen kann. Das tut Jesus sicher sowieso. Aber er betet darüber hinaus auch im Beisein der anderen. Das Gebet ist einfach so eine selbstverständliche Tätigkeit wie vieles andere auch. Man muss sich dafür nicht immer zurückziehen – vorausgesetzt, dass man seine stille Zeit an einem zurückgezogenen Ort sowieso hat.
In jener Zeit betete Jesus für sich allein und die Jünger waren bei ihm.
Nach dem Gebet hat Jesus mit den Jüngern eine sehr wichtige Unterredung. Sicher war sein Reden und Tun vom Gebet inspiriert und vorbereitet. Im Gebet bitten wir den Heiligen Geist, und in den darauf folgenden Worten setzen wir die Kraft des Heiligen Geistes frei. Wir sehen im heutigen Evangelium, wie das Gebet Jesu seinem Handeln vorausgeht.
Gebet:
Jesus, ich danke dir, dass das Gebet auch für mich eine völlig selbstverständliche Tätigkeit geworden ist. Trotzdem ist es mir manchmal noch etwas peinlich gegenüber anderen. Hilf mir, noch normaler mit dem Gebet umzugehen, dass es einfach zu meinem Leben dazugehört und dass ich es nicht verstecken muss. Und bitte lass all mein Reden und Handeln aus dem Gebet heraus fließen.
Pastor Roland Bohnen
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