Ihre Engel im Himmel sehen stets das Angesicht meines himmlischen Vaters. (Mt 18,10)

Heilige Schutzengel

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus
Mt 18, 1–5.10

In jener Stunde kamen die Jünger zu Jesus und fragten: Wer ist denn im Himmelreich der Größte?
Da rief er ein Kind herbei, stellte es in ihre Mitte und sagte: Amen, ich sage euch: Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, werdet ihr nicht in das Himmelreich hineinkommen.
Wer sich so klein macht wie dieses Kind, der ist im Himmelreich der Größte.
Und wer ein solches Kind in meinem Namen aufnimmt, der nimmt mich auf.
Hütet euch davor, einen von diesen Kleinen zu verachten! Denn ich sage euch: Ihre Engel im Himmel sehen stets das Angesicht meines himmlischen Vaters.

Tagesimpuls

Ihre Engel im Himmel sehen stets das Angesicht meines himmlischen Vaters. (Mt 18,10)

Im Hebräerbrief werden Engel mit den folgenden Worten erklärt: „Sind sie nicht alle nur dienende Geister, ausgesandt, um denen zu helfen, die das Heil erben sollen?“ Sie stehen vor dem Angesicht Gottes und sind zugleich zu uns Menschen gesandt. Sie bilden eine Art Brücke, was aber nicht heißt, dass Gott uns nicht unmittelbar wäre. Wenn Gott in seiner Liebe viele Menschen und Engel um uns stellt, dann heißt das nicht, dass Gott uns weniger lieben würde. Gott selbst ist ja auch dreifaltig, also vielfältig. Wenn Jesus uns liebt, und wenn er sagt, dass er uns den Heiligen Geist sendet, dann heißt das nicht, dass Jesus uns weniger lieben würde. Der Vater liebt uns unendlich, aber von dieser unendlichen Liebe wird nichts genommen, weil Jesus und der Heilige Geist uns auch lieben. Weil es viele sind, die uns lieben, liebt uns der Einzelne deswegen nicht weniger. Bei der Liebe gibt es nur Fülle, unendliche Fülle.

Ihre Engel im Himmel sehen stets das Angesicht meines himmlischen Vaters.

In dieser Fülle werden wir geliebt vom dreifaltigen Gott, von so vielen lieben Menschen, von den Engeln und von den Heiligen. Und sie alle helfen uns, auf dem Weg des Heils zu gehen. Diese Hilfe ist ganzheitlich, sie gilt für das materielle wie für das geistliche Wohl. Schutzengel beschützen uns für leiblichen Gefahren wie z.B. vor Unfällen. Sie beschützen uns aber auch vor geistlichen Gefahren wie z.B. Versuchungen. Sie helfen uns, dass wir unseren Geist mehr auf Gott ausrichten und den Versuchungen widerstehen können. Nach den Versuchungen in der Wüste und in Gethsemane kamen Engel, um Jesus zu helfen.

Ihre Engel im Himmel sehen stets das Angesicht meines himmlischen Vaters.

 

Durch unsere Gebete können wir dieses gute Wirken der Engel freisetzen, verstärken und beschleunigen. Wir können – so ist es Gottes Absicht – mit den Engeln kooperieren. Es ist wie in der menschlichen Gemeinschaft. Wenn wir zusammenarbeiten, dann schaffen wir mehr, dann klappt alles besser.

Ihre Engel im Himmel sehen stets das Angesicht meines himmlischen Vaters.

Vielleicht fragt sich jemand, warum Gott uns Helfer schickt. Aber so ist die ganze Schöpfung. Gott schickt uns die Menschen, er hat Tiere geschaffen, er stellt eine Welt in so großer Fülle um uns herum auf, die wir gar nicht ermessen können. So ist Gott. Er könnte auch nur einen einzigen Menschen erschaffen haben, dem er sich dann ganz zuwendet. Aber das hat er nicht. Er hat ein Universum mit unzählbar vielen Planeten geschaffen und so vielen Menschen und Lebewesen, und so vielen Engeln. So ist Gott. Wir können ihm nur dankbar sein.

Gebet:

Jesus, ich danke dir für die vielen Engel. Ich danke dir für meinen Schutzengel, den du mir als Helfer zur Seite stellst. Heiliger Schutzengel, ich will mit dir zusammenarbeiten, Du bist gesandt, um mir zu helfen. Hilf mir, die Versuchungen zur Sünde zu überwinden. Und danke für deinen Schutz auf allen Ebenen.

Pastor Roland Bohnen

www.tagesimpuls.org

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Ein Kommentar

  1. Im Glanz des göttlichen Lichtes: Eine orthodoxe Betrachtung über die Fülle der Liebe und die Gegenwart der Engel.

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    Dieser Tagesimpuls berührt das Herz zutiefst und spiegelt eine fundamentale Wahrheit wider, die in der griechisch-orthodoxen Tradition seit den Tagen der Apostel als kostbarer Schatz bewahrt wird.

    Die Vorstellung, dass wir von einer unendlichen Fülle der Liebe umgeben sind – vom dreifaltigen Gott, den Heiligen und den himmlischen Heerscharen –, bildet das Herzstück der orthodoxen Spiritualität und Liturgie. Wenn wir die Worte des Evangeliums und die Gedanken des Impulses betrachten, befinden wir uns in einer lebendigen Gemeinschaft mit den griechischen Kirchenvätern, die uns den Blick für diese unsichtbare, aber überaus reale Wirklichkeit öffnen.

    Der Impuls beginnt mit dem Ruf Jesu, zu werden wie die Kinder, um das Himmelreich zu schauen. In der orthodoxen Tradition ist das Kindsein kein Zustand der Unwissenheit, sondern der Inbegriff der Katharsis, der Reinigung des Herzens von Stolz und Argwohn.

    Der heilige Johannes Chrysostomos, einer der drei großen Hierarchen der orthodoxen Kirche, erklärt zu dieser Bibelstelle mit gewohnt feinsinniger Herzlichkeit: „Das Kind ist frei von Neid, frei von Eitelkeit und von der Sucht nach dem ersten Platz; es besitzt die größte Tugend: die Einfachheit und die Arglosigkeit.“ Nur wer diese geistige Einfachheit und Demut erlangt, macht sich klein genug, um die Größe des Himmels und die Gegenwart der Engel wahrzunehmen.

    Diese Engel, so betont es der Text von Pastor Bohnen, schauen unablässig das Angesicht des himmlischen Vaters und sind zugleich zu unserem Schutz ausgesandt. Für das orthodoxe Denken ist dies kein Widerspruch, sondern ein kosmisches Geheimnis: Die Engel leben in der ständigen himmlischen Liturgie und tragen diesen heiligen Raum hinein in unseren oft so unruhigen Alltag.

    Der heilige Johannes von Damaskus, der die Engellehre der Kirche meisterhaft zusammengefasst hat, beschreibt sie in seiner Genauen Darlegung des orthodoxen Glaubens voller Ehrfurcht: „Sie sind Lichtwesen, geistig und unkörperlich. Sie schauen Gott, soweit es ihnen möglich ist, und das ist ihre Nahrung. Durch die Gnade und das Feststehen im allein Guten sind sie unbeweglich zum Bösen geworden.“ Sie sind mithin Boten, die ganz vom göttlichen Licht durchdrungen sind und dieses Licht zu uns bringen.

    Besonders tiefgründig entfaltet der Impuls den Gedanken der Kooperation mit diesen himmlischen Helfern – ein Prinzip, das in der orthodoxen Theologie als Synergie, als das freie Zusammenwirken von Gottes Gnade und der menschlichen Bereitschaft, verstanden wird.

    Der Schutzengel drängt sich uns niemals auf; er flüstert der Seele sanft das Gute ein und bewahrt sie im Kampf gegen die Versuchungen.

    Der heilige Basilius der Große verweist mit eindringlichen Worten auf die Realität dieses täglichen Beistands: „Jedem Gläubigen steht ununterbrochen ein Engel als Beistand zur Seite, ein Führer und Hirte, um sein Leben zu lenken. Der Engel weicht nicht von dir, es sei denn, du treibst ihn durch deine Sünden fort, so wie Rauch die Bienen vertreibt.“

    Durch unser inständiges Gebet antworten wir dem Engel, öffnen ihm die Tür unseres Herzens und setzen dieses segensreiche Wirken in unserem Leben aktiv frei.

    Dass Gott uns eine solche Fülle an Helfern – Menschen, Engel und Heilige – schenkt, offenbart Seinen „verschwenderischen“ Charakter der Liebe. Der dreifaltige Gott ist in Sich Selbst kein einsamer Herrscher, sondern eine Gemeinschaft vollkommener Liebe, die sich in die Schöpfung hinein ausgießt.

    Der heilige Dionysius Areopagita, ( ehemalige Hohe Richter des Areopags in den Zeiten des Apostel Paulus ) den wir wir Morgen verehren, beschreibt in seinem Werk über die himmlische Hierarchie, dass die Engel, wie reine Spiegel wirken, die das göttliche Licht empfangen und an uns weitergeben: „Die göttliche Ordnung hat es so gefügt, dass die ersten Wesen das Licht rein empfangen und es voller Liebe an die nachfolgenden weiterreichen, damit die Güte Gottes sich durch die ganze Schöpfung ausgieße.“

    So verbindet sich dieser Tagesimpuls auf wunderbare Weise mit dem allabendlichen Gebet der orthodoxen Kirche, in dem wir gläubig bekennen:

    „Heiliger Engel Gottes, Beschützer und Schirmer meiner Seele und meines Leibes, vergib mir alles, womit ich dich beleidigt habe, und beschütze mich vor jeder Versuchung des Widersachers, auf dass ich auf dem Weg des Heils gehe.“

    Es ist der gemeinsame Trost, dass der Himmel nicht fern und leer ist, sondern eine lebendige, uns umarmende Wirklichkeit, die uns auf allen Wegen behütet.

    Dr. St. Patsourakou, Hillensberg
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