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Tagesimpuls

Wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein. (Mt 20,26)

02 Woche der Fastenzeit Mittwoch

EVANGELIUM Mt 20, 17-28

In jener Zeit,

17als Jesus nach Jerusalem hinaufzog, nahm er unterwegs die zwölf Jünger beiseite und sagte zu ihnen:

18Wir gehen jetzt nach Jerusalem hinauf; dort wird der Menschensohn den Hohenpriestern und Schriftgelehrten ausgeliefert; sie werden ihn zum Tod verurteilen

19und den Heiden übergeben, damit er verspottet, gegeißelt und gekreuzigt wird; aber am dritten Tag wird er auferstehen.

20Damals kam die Frau des Zebedäus mit ihren Söhnen zu Jesus und fiel vor ihm nieder, weil sie ihn um etwas bitten wollte.

21Er fragte sie: Was willst du? Sie antwortete: Versprich, dass meine beiden Söhne in deinem Reich rechts und links neben dir sitzen dürfen.

22Jesus erwiderte: Ihr wisst nicht, um was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinken werde? Sie sagten zu ihm: Wir können es.

23Da antwortete er ihnen: Ihr werdet meinen Kelch trinken; doch den Platz zu meiner Rechten und zu meiner Linken habe nicht ich zu vergeben; dort werden die sitzen, für die mein Vater diese Plätze bestimmt hat.

24Als die zehn anderen Jünger das hörten, wurden sie sehr ärgerlich über die beiden Brüder.

25Da rief Jesus sie zu sich und sagte: Ihr wisst, dass die Herrscher ihre Völker unterdrücken und die Mächtigen ihre Macht über die Menschen missbrauchen.

26Bei euch soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein,

27und wer bei euch der Erste sein will, soll euer Sklave sein.

28Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.

Tagesimpuls:

Wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein. (Mt 20,26)

Die Mutter von Johannes und Jakobus wünscht sich für ihre Söhne die besten Plätze. Dabei geht es nicht in erster Linie um Sitzplätze, auch nicht nur um Ehre, es geht vor allem um den Führungsanspruch. Rechts und links neben dem König sitzen die einflussreichsten Minister. Dort sitzen die, die neben dem König das Sagen haben.

Wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein.

Es ist auf den ersten Blick erstaunlich, dass Jesus die drei nicht zurückweist. Es scheint Jesus zu gefallen, wenn die Jünger eine einflussreiche Position haben wollen. Er erklärt aber, wie wir Christen unseren Einfluss ausüben sollen: nicht durch Macht, sondern durch Dienen.

Wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein.

Ich glaube, das gilt für alle Jünger Jesu. Wir sollen demütig sein, aber das heißt nicht, dass wir vor Angst im Boden versinken und nichts bewirken sollten. Wir sollen uns nicht mit unseren Gaben verstecken, sondern wir alle haben eine bedeutende Rolle in der Welt zu spielen. Deswegen müssen wir nicht Bundeskanzler werden. Man kann überall dort, wo Gott einen hingestellt hat, etwas bewirken und Einfluss nehmen. Es gibt viele Heilige, die ganz unbedeutende Positionen hatten, aber es gibt auch heilige Päpste und Könige.

Wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein.

Wichtig ist, dass wir dienen. Das Gegenteil wäre, dass wir unseren Einfluss nutzen, um unsere Launen und persönlichen Wünsche zu erfüllen. Aber es geht ums Dienen. Wer in einer Firma arbeitet, kann sich fragen: Wie kann ich den anderen und dem Gesamten dienen? Genauso in der Familie: Wie kann ich der Familie dienen? Ich als Pfarrer: Wie kann ich der Gemeinde dienen? Was dient dem Gesamten, was dient den Einzelnen?

Wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein.

Dienen ist aber nicht, dass man nur die Wünsche der anderen erfüllt. Ich muss als Pfarrer z.B. auch fragen: Was dient dazu, dass auch in Zukunft unsere Kinder noch im christlichen Glauben erzogen werden? Wenn ich den Kindern dienen und etwas aufbauen möchte, was in der Zukunft Bestand hat, dann kann ich nicht alle Wünsche erfüllen, die die Menschen heute an mich richten. Beim Dienen muss man also immer den Einzelnen und das Ganze im Blick behalten.

Gebet:

Jesus, ich danke dir, dass du uns dazu berufen hast, Einfluss zu nehmen auf die Lebensbereiche, in die du uns gestellt hast. Hilf mir, meine Angst zu überwinden und den Platz einzunehmen, auf den ich gerufen bin. Hilf mir, zu dienen und meine egoistischen Wünsche loszulassen.

Pastor Roland Bohnen

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